Angesichts der aktuellen Diskussion über ein mögliches Ende der UKW-Verbreitung hat Markus Kurze, Vorstandsvorsitzender der Medienanstalt Sachsen-Anhalt, auf die Bedeutung des analogen UKW-Rundfunks für private Radiosender hingewiesen. „In der derzeit schwierigen wirtschaftlichen Lage würde ein Abschalten des UKW-Netzes die Reichweite des Privatfunks erheblich reduzieren und seine Wirtschaftlichkeit gefährden“, betonte Kurze. Die Medienanstalt unterstützt daher einen marktgetriebenen Übergang vom analogen UKW-Empfang zum digitalen Radiostandard DAB+.
Hintergrund und aktuelle Debatte
Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) hatte ein Ende der parallelen UKW-Ausstrahlung vorgeschlagen, da ARD-Anstalten und Deutschlandradio durch ausschließliche DAB+-Verbreitung innerhalb von vier Jahren rund 100 Millionen Euro einsparen könnten. KEF-Mitglied Kay Barthel bezeichnete UKW als „überholte Technik“ und argumentierte mit Vorteilen digitaler Verbreitung, wie geringerem Energieverbrauch und längerer Notstromtauglichkeit. Zudem bestehe ein Investitionsstau: Ab 2029 müssten UKW-Anlagen umfassend erneuert werden, der Investitionsbedarf läge bei rund 60 Millionen Euro.
Privatradios und Teile der Politik sehen jedoch Nachteile: UKW ist nach wie vor eine wichtige Empfangsquelle, gerade in Sachsen-Anhalt nutzen viele Haushalte und Autos die Ultrakurzwelle. Nach Angaben des MDR besitzen 45 Prozent der Haushalte stationäre DAB+-Geräte, in Fahrzeugen liegt der Anteil bei 35 Prozent. Private Sender fürchten Einbußen bei Reichweite und Werbeeinnahmen, während der MDR zwar langfristig das Ende der Parallelausstrahlung anstrebt, aber kein festes Datum nennt.
Digitale Perspektiven der ARD
Parallel zur UKW-Debatte wird die digitale Zukunft der Sender intensiv diskutiert. ARD-Generalsekretärin Susanne Pfab kündigte an, die Mediatheken zu einer eigenständigen öffentlichen Plattform („Public Open Space“) weiterzuentwickeln. Der Medienökonom Frank Lobigs plädierte für mehr senderübergreifende Zusammenarbeit und gemeinsame Digitalplattformen als Gegengewicht zu internationalen Anbietern. Der Abschlussbericht der Rundfunk-Kommission des Landtags wird im Mai 2026 erwartet.