Sachsen-Anhalts CDU-Abgeordneter Ulrich Thomas kritisiert geplante EU-Verordnung zu Kondensstreifen als praxisfern und wirtschaftsgefährdend – doch hinter der Debatte steht ein reales Klimaproblem.
Magdeburg/Brüssel – 23. Juli 2025
Mit deutlichen Worten hat der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion in Sachsen-Anhalt, Ulrich Thomas, auf neue Überlegungen der EU-Kommission reagiert: Künftig könnten Fluggesellschaften verpflichtet werden, um besonders feuchte Luftschichten einen Bogen zu machen, um dort die Bildung von Kondensstreifen zu vermeiden. Diese Idee stößt in der Branche wie auch in der Politik auf heftige Kritik. Thomas spricht von einer „reinen Luftnummer“ aus Brüssel.
„Eine Umwegpflicht ist völlig praxisfern und reine Symbolpolitik“, so Thomas. Der europäische Luftraum sei bereits heute durch Wetterereignisse, Luftraumbeschränkungen und dichte Flugpläne stark belastet. Zusätzliche Umleitungen könnten die ohnehin angespannte Lage weiter verschärfen. „Solche Vorschriften wären ein weiterer Rückschlag für die europäische Luftfahrtindustrie, während Airlines in anderen Teilen der Welt ungebremst wachsen“, so der CDU-Politiker.
Reale Auswirkungen auf Flugsysteme – und auf das Klima
Auch aus der Luftfahrtbranche kommt Widerstand: Lufthansa-Pilot Michael Hopp etwa warnt vor Netzwerkeffekten und Verspätungen, sollte das komplexe europäische Flugroutensystem durch zusätzliche Umwege weiter belastet werden. Dennoch testet auch Lufthansa sogenannte klimaoptimierte Routen. Denn: Die Wirkung von Kondensstreifen auf das Weltklima ist wissenschaftlich belegt – wenn auch mit Unsicherheiten in der genauen Quantifizierung.
Tatsächlich beeinflusst der Luftverkehr das Klima nicht nur durch CO₂-Emissionen, sondern vor allem durch die Bildung von Kondensstreifen. Diese entstehen in großer Höhe, wenn der heiße Wasserdampf aus den Triebwerken in kalter Luft kondensiert und zu Eiskristallen gefriert. Tagsüber reflektieren diese Streifen einen Teil der Sonnenstrahlung (kühlender Effekt), nachts hingegen speichern sie Wärme (Treibhauseffekt). Es wird vermutet, dass bis zu zwei Drittel des Klimaeffekts des Flugverkehrs durch diese nicht-CO₂-Effekte verursacht werden – insbesondere durch Kondensstreifen-Zirren.
Eine Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) kam zu dem Ergebnis, dass solche Zirren über Zentraleuropa zeitweise bis zu zehn Prozent des Himmels bedecken. Der daraus resultierende Strahlungsantrieb – also der Effekt auf die Erderwärmung – ist höher als jener durch das ausgestoßene CO₂ allein. Zwar bedecken klassische, sichtbare Kondensstreifen tagsüber im Mittel nur etwa 0,7 % des Himmels über Zentraleuropa, doch durch ihre langfristige Wirkung sind sie klimarelevant.
Symbolpolitik oder sinnvolle Steuerung?
Genau hier setzt die Kritik von Ulrich Thomas an: „Statt realitätsfremde Umwege zu verordnen, sollte man gezielt an technischen Lösungen arbeiten – etwa an treibstoffsparenden Triebwerken oder der Reduktion von Rußpartikeln.“ Eine europaweite Pflicht zur Umleitung über potenziell kondensstreifenfreie Zonen ohne Rücksicht auf den Energieverbrauch sei hingegen kontraproduktiv. Mehr Kerosinverbrauch, mehr CO₂ – bei zweifelhaftem Klimaeffekt.
Thomas warnt davor, den Wirtschaftsstandort Deutschland durch Überregulierung zu gefährden. „In Deutschland hängen mehrere hunderttausend Arbeitsplätze direkt oder indirekt von der Luftfahrt ab“, sagt er. Die Pläne aus Brüssel bedrohten zentrale Drehkreuze und schwächten Europas Wettbewerbsfähigkeit.
EU-Parlament am Zug
Ob und in welcher Form die Verordnung zur Vermeidung von Kondensstreifen tatsächlich verabschiedet wird, ist derzeit noch offen. Seit Anfang 2025 sind Airlines aber verpflichtet, Daten zu möglichen Contrail-Bildungen an die EU zu übermitteln – eine Vorstufe möglicher verbindlicher Regelungen.
Ulrich Thomas appelliert an das EU-Parlament, diesen „Wahnsinn“ zu stoppen. Die Debatte dürfte in den kommenden Monaten weiter an Schärfe gewinnen – zwischen der Forderung nach effektivem Klimaschutz und dem Wunsch nach einem funktionsfähigen Luftverkehrssystem.
2 comments on “„Luftnummer aus Brüssel“ – CDU-Wirtschaftspolitiker warnt vor EU-Plänen zu Umwegpflicht im Flugverkehr”
Die Briten freuen sich, dass sie diesen Unsinn nicht mitmachen müssen.
Da regnet es sowieso ständig. Wann sieht ein Durchschnittsbrite mal einen Kondensstreifen?