Skip to content
HalleSpektrum.de – Onlinemagazin aus Halle (Saale) Logo

Leopoldina warnt vor Lockerung der Zulassung von Pflanzenschutzwirkstoffen

Halle (Saale) – Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina kritisiert geplante Änderungen der Europäischen Union bei der Zulassung von Pflanzenschutzwirkstoffen. In einem jetzt veröffentlichten Fokuspapier warnen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler davor, die bisher geltenden Schutzmechanismen zugunsten vereinfachter Verwaltungsverfahren abzuschwächen.

Pflanzenschutzmittel leisten nach Einschätzung der Fachleute zwar einen wichtigen Beitrag zur Sicherung landwirtschaftlicher Erträge. Gleichzeitig könnten ihre Wirkstoffe Umwelt und Gesundheit belasten. Deshalb müssen diese Stoffe bislang auf EU-Ebene zugelassen und nach zehn Jahren erneut bewertet werden.

Die EU-Kommission plant, diese regelmäßige Neubewertung künftig zu lockern und die Genehmigungen grundsätzlich unbefristet zu erteilen. Ziel ist es, Verwaltungsaufwand zu verringern und die Zulassung neuer Wirkstoffe zu beschleunigen. Die Autorinnen und Autoren des Leopoldina-Papiers sehen darin jedoch erhebliche Risiken. Die bisherige Praxis habe gezeigt, dass zahlreiche Wirkstoffe bei der turnusmäßigen Überprüfung vom Markt genommen wurden – entweder wegen neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse oder weil Unternehmen auf eine erneute Zulassung verzichteten.

Nach Auffassung der Wissenschaftsakademie ist die zeitlich befristete Zulassung ein wichtiger Bestandteil eines lernfähigen Regulierungssystems. Neue Forschungsergebnisse könnten so regelmäßig in die Risikobewertung einfließen. Die Fachleute schlagen daher vor, die Neubewertung grundsätzlich beizubehalten, die Fristen jedoch stärker am jeweiligen Gefährdungspotenzial eines Wirkstoffs auszurichten.

Darüber hinaus empfiehlt das Papier eine systematische Nachmarktkontrolle. Bislang stützen sich Zulassungsentscheidungen vor allem auf Labordaten und Modellrechnungen. Durch ein begleitendes Umweltmonitoring könnten tatsächliche Auswirkungen in der Praxis besser erfasst und mögliche Wechselwirkungen frühzeitig erkannt werden.

Kritisch bewertet die Leopoldina auch die Absicht der EU, die Frist für den Abverkauf und die Nutzung bereits zugelassener Produkte nach dem Wegfall einer Wirkstoffgenehmigung von derzeit 18 Monaten auf drei Jahre zu verlängern. Dadurch würden Stoffe, die bereits als problematisch eingestuft wurden, deutlich länger eingesetzt.

Das vollständige Fokuspapier „Geplante Änderung der Zulassung von Pflanzenschutzwirkstoffen: Vorschläge der EU-Kommission verringern das Schutzniveau für Mensch und Umwelt“ ist auf der Website der Leopoldina abrufbar.

Schreibe einen Kommentar