Ein breites Bündnis will unter dem Motto „Wir“ ein Zeichen setzen – Veranstaltungen von September bis 9. November geplant.
In Halle formiert sich breiter Widerspruch gegen die für November 2025 angekündigte rechte Buchmesse „Seitenwechsel“. Kulturschaffende, Buchhändlerinnen, Autorinnen, Musiker, Theaterleute und Wissenschaftler wollen mit einem eigenen Festival eine offene Gesellschaft feiern – und gleichzeitig protestieren. Das Festival unter dem Motto „Wir“ soll im September beginnen und am 8. und 9. November seinen Höhepunkt erreichen.
Die Mitorganisatorin und Buchhändlerin Theresa Donner betonte gegenüber MDR KULTUR, das Festival wolle zeigen, dass Zivilcourage kein Privileg, sondern das Fundament einer demokratischen Gesellschaft sei: „Wir lesen, wir diskutieren, wir erinnern.“ Das Programm umfasst Lesungen, Diskussionen, Musik und offene Formate an vielen Orten in der Stadt.
Ein Festival für Toleranz – und gegen Hass
Das erklärte Ziel der Buchmesse „Seitenwechsel“, die auf dem Gelände der Messe Halle stattfinden soll, sei es, rechtsextremen Verlagen und Verschwörungsideologen eine Bühne zu geben, so Donner. Der Veranstalter ist das Dresdner Buchhaus Loschwitz, das dem neurechten Milieu nahesteht. Es wird unter anderem von Susanne Dagen geleitet, die mit dem bekannten Rechtsextremisten Götz Kubitschek in medialen Formaten kooperiert.
Kritik an der Messe – und am Veranstaltungsort
Die Wahl des Veranstaltungsorts sorgt für Diskussionen. Die Messe Halle, betrieben von der M.A.T. Objekt GmbH, sieht sich als neutraler Ort. Über den Anwalt Ralf Höcker ließ das Unternehmen mitteilen, man werde keine verbotenen Organisationen zulassen, wolle jedoch keine „Gesinnungskontrollen“ durchführen. Ähnlich argumentierte die Messe bereits beim Wahlkampfauftakt der AfD im Januar 2025, der auf dem Gelände stattfand – ebenfalls begleitet von Protesten.
Politik zeigt Haltung
Politikerinnen und Politiker von Grünen, SPD, Linken und Freien Wählern äußerten sich kritisch zur Messe. Auch Halles parteiloser Oberbürgermeister Alexander Vogt sprach sich gegen rechtsextreme Ideologien aus. Die AfD hingegen sieht in der Debatte einen Versuch, legitime Meinungsäußerung zu unterdrücken, und spricht von einer „künstlich aufgeheizten Debatte“.
Mahnende Symbolik: 9. November
Dass die Buchmesse „Seitenwechsel“ ausgerechnet auf den 8. und 9. November fällt, sorgt zusätzlich für Empörung: Der 9. November ist ein historisch aufgeladener Tag – Erinnerung an die Reichspogromnacht 1938, aber auch an den Mauerfall 1989. Für die Festivalmacher ist das kein Zufall, sondern ein Grund mehr, deutlich Stellung zu beziehen. Das „Wir“-Festival soll genau an diesem Datum zeigen: Die offene Gesellschaft ist wehrhaft – und sie hat Kultur.
2 comments on “Kulturszene in Halle plant Festival gegen rechte Buchmesse”
Die Akteure des „Wir-Festivals“ müssten der Buchmesse Seitenwechsel dankbar sein, denn sie ermöglicht ihnen, Fördermittel aus dem Bundesprogramm „demokratie leben „zu bekommen, ihre Arbeit und Gehälter zu finanzieren. Die CDU wird jedenfalls nicht mehr nachfragen, wer und für was da wieviel Geld bekommt.
In diesem Falle ist das Geld doch richtig angelegt.