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Kulturinstitutionen in Sachsen-Anhalt schlagen Alarm: Breites Bündnis warnt vor nationalistisch geprägter Kulturpolitik

Die Warnung vor einer politisch gelenkten, nationalistisch ausgerichteten Kulturpolitik in Sachsen-Anhalt findet immer größeren Widerhall. Ausgangspunkt ist eine gemeinsame Erklärung, die am 16. April 2026 von zunächst 27 Kultureinrichtungen veröffentlicht wurde – inzwischen haben sich insgesamt 67 Institutionen aus dem gesamten Land angeschlossen.

Zu den zentralen Initiatoren zählen namhafte Einrichtungen wie die Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, die Stiftung Bauhaus Dessau, die Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt sowie die Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt. Auch traditionsreiche Einrichtungen wie die Franckesche Stiftungen, die Kunststiftung Sachsen-Anhalt und die Vereinigte Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz gehören dazu.

Darüber hinaus beteiligen sich zahlreiche Museen, Theater und Kulturorte: etwa die Stiftung Kloster Unser Lieben Frauen, das Kunstmuseum Magdeburg Kloster Unser Lieben Frauen, das Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), die Kammerspiele Magdeburg, das Theater Magdeburg, das Theater der Altmark sowie das Puppentheater Magdeburg. Auch freie Träger und soziokulturelle Einrichtungen wie der Kunstverein „Talstraße“ e.V., das Kulturzentrum Moritzhof, die Werkleitz Gesellschaft e.V. oder die Landesarbeitsgemeinschaft soziokultureller Zentren im Land Sachsen-Anhalt (LASSA) e.V. unterstützen den Appell.

Ebenso vertreten sind Einrichtungen der Erinnerungskultur und Wissenschaft, darunter der Museumsverband Sachsen-Anhalt e.V., das Literaturhaus Magdeburg sowie die Stiftung Händel-Haus und das Technik Museum Magdeburg. Auch kulturelle Initiativen wie CAT-stairs – Das Kabarett / Burger KleinKunstBühne und die Ferropolis Stiftung Industriekultur gGmbH zählen zu den Unterzeichnenden.

In einer zweiten Welle haben sich weitere 40 Einrichtungen angeschlossen. Dazu gehören unter anderem die Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, die Bühnen Halle, das Literaturhaus Halle, der Landesheimatbund Sachsen-Anhalt e.V., der Landesmusikrat Sachsen-Anhalt e.V. sowie zahlreiche Fördervereine, Festivals und Ensembles – vom Heinrich Schütz Haus Weißenfels bis zur Mitteldeutschen Kammerphilharmonie Schönebeck gGmbH.

Kern der Kritik: Gefahr politischer Instrumentalisierung

Hintergrund der Erklärung sind kulturpolitische Positionen der AfD Sachsen-Anhalt, die im Falle eines Wahlerfolgs eine „patriotische Wende in der Kulturpolitik“ anstrebt. Die unterzeichnenden Institutionen sehen darin die Gefahr einer „nationalistischen Verengung des Kulturbegriffs“ sowie einer politischen Einflussnahme auf Kunst, Kultur und Erinnerung.

Die Erklärung richtet sich ausdrücklich gegen eine ideologische Instrumentalisierung kultureller Arbeit. Kunst und Kultur seien keine Projektionsflächen für vereinfachte oder ausgrenzende Weltbilder, sondern lebendige Räume der Auseinandersetzung, Vielfalt und Reflexion.

Bundesweite Unterstützung und historische Dimension

Auch über Sachsen-Anhalt hinaus findet der Appell Resonanz. Das Deutsches Zentrum Kulturgutverluste stellte sich hinter die Initiative und warnte, entsprechende politische Forderungen könnten die Provenienzforschung und damit die Aufarbeitung von NS-Unrecht, DDR-Enteignungen und kolonialen Kontexten gefährden.

Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schlösserverwaltungen betonte zudem, historische Orte dürften nicht für ideologische Geschichtsbilder vereinnahmt werden. Sie seien Orte des Dialogs und der kritischen Auseinandersetzung – nicht der politischen Vereinfachung.

Appell für Kunstfreiheit und demokratische Kultur

In ihrer gemeinsamen Stellungnahme formulieren die mittlerweile 67 Institutionen einen klaren Anspruch: Kulturpolitik dürfe nicht zur nationalistischen Instrumentalisierung von Geschichte und Gegenwart missbraucht werden. Die Freiheit der Kunst, die Vielfalt kultureller Ausdrucksformen und eine demokratisch verankerte Erinnerungskultur seien unverzichtbar.

Der Appell ist damit nicht nur eine kulturpolitische Intervention, sondern auch ein deutliches Signal in Richtung der gesellschaftlichen Debatte: Die Zukunft der Kulturlandschaft wird als Teil der demokratischen Grundordnung verstanden – und ihre Verteidigung als gemeinsame Aufgabe.

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