Sachsen-Anhalt verzeichnet im Jahr 2025 eine insgesamt leicht rückläufige Kriminalitätsentwicklung. Vor dem Hintergrund einer bundesweiten Änderung der Erfassungspraxis, bei der Straftaten an unbekannten Handlungsorten nun eigenständig als Auslandstaten ausgewiesen werden, sank die Gesamtzahl der registrierten Straftaten um 0,6 Prozent. Damit bleibt trotz der Umstellung der Statistik ein stabiler Trend erkennbar.
Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) weist für 2025 eine gestiegene Aufklärungsquote von 57,4 Prozent aus – der höchste Wert seit 2012. Von den 99.167 aufgeklärten Fällen entfielen 63.873 auf ermittelte Tatverdächtige, was einen Rückgang um 5,9 Prozent im Vergleich zu 2024 bedeutet. 78,9 Prozent der Tatverdächtigen waren Erwachsene, 6,8 Prozent Heranwachsende, 8,9 Prozent Jugendliche und 5,3 Prozent Kinder.
Auch der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger ging zurück: 2025 wurden 16.764 Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit registriert, darunter 10.774 Zuwanderer. Der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen lag damit bei 26,2 Prozent, der der Zuwanderer bei 16,9 Prozent. Die häufigsten Herkunftsländer waren Syrien, Rumänien, Ukraine, Polen und Afghanistan. Besonders betroffen von nichtdeutscher Beteiligung waren Vermögens‑ und Fälschungsdelikte (33,5 Prozent), Raubdelikte (32,6 Prozent) und Diebstähle (30 Prozent).
Innenministerin Dr. Tamara Zieschang betont die Bedeutung der Transparenz: „Mit der Nennung der Staatsangehörigkeit wollen wir Spekulationen unterbinden und den Bürgerinnen und Bürgern ein realistisches Bild der Kriminalität vermitteln.“
Straftaten gegen die Person und Eigentum
Im Bereich der Rohheitsdelikte wurden 33.438 Fälle registriert, ein Anstieg von 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Körperverletzungen blieben mit 20.426 Fällen auf Vorjahresniveau, Bedrohungen stiegen um 7,5 Prozent auf 8.818 Fälle, insbesondere im Internet. Raubdelikte gingen hingegen deutlich zurück (1.105 Fälle, minus 15,5 Prozent). Diebstähle machten mit 56.649 Fällen knapp ein Drittel aller Straftaten aus, wobei insbesondere Fahrraddiebstähle, Autodiebstähle und Diebstähle aus Kellerräumen rückläufig waren. Ladendiebstähle blieben konstant.
Vermögens‑ und Fälschungsdelikte sanken um 21,6 Prozent auf 24.215 Fälle, vor allem durch die Umstellung der PKS-Erfassung. Trotz sinkender Fallzahlen stieg der finanzielle Schaden auf über 90 Millionen Euro, was auf zunehmende Professionalität und Einsatz digitaler Technologien hinweist. Besonders auffällig war der Rückgang bei Enkeltrick- und Schockanrufbetrügereien, von 463 auf 156 Fälle, obwohl der verursachte Schaden stark stieg.
Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung
Die Zahl der Delikte gegen die sexuelle Selbstbestimmung stieg um 14,1 Prozent auf 3.803 Fälle. Angeführt wird dieser Bereich von der Verbreitung pornografischer Schriften, vor allem online. Die Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern gingen um 13,7 Prozent zurück, die von Vergewaltigungen leicht um 2,5 Prozent. Die Aufklärungsquote in diesem Deliktsbereich liegt bei 82,7 Prozent.
Strafrechtliche Nebengesetze und Rauschgiftkriminalität
Bei Straftaten nach strafrechtlichen Nebengesetzen wie dem Betäubungsmittelgesetz oder dem Aufenthaltsgesetz sank die Fallzahl um 25,8 Prozent, insbesondere aufgrund rückläufiger ausländerrechtlicher Verstöße. Rauschgiftkriminalität ging ebenfalls zurück (minus 22,8 Prozent). Die Sicherstellungsmenge von Cannabis stieg auf 687,4 kg, Amphetamine auf 388 kg und Kokain auf 19 kg. Die Zahl der Drogentoten stieg auf 61 Personen.
Häusliche Gewalt und Widerstandshandlungen
Häusliche Gewalt nahm um 5,1 Prozent zu, wobei die Partnerschaftsgewalt und familiäre Gewalt gleichermaßen stiegen. Innenministerin Zieschang betont die Bedeutung des Schutzes von Opfern durch rechtliche Maßnahmen, wie Wohnungsverweise, Kontaktverbote und Tarnidentitäten.
Widerstandshandlungen gegen Polizeibeamte stiegen um 10,4 Prozent, Angriffe auf Rettungskräfte um 11,5 Prozent, während Angriffe auf Feuerwehrkräfte sanken. Messerangriffe gingen leicht zurück, wobei nichtdeutsche Tatverdächtige in diesem Bereich gestiegen sind.
Jugendkriminalität
Die Jugendkriminalität ging leicht zurück (minus 3,1 Prozent), ebenso die Jugendgewaltkriminalität (minus 4,5 Prozent). Raubdelikte unter Jugendlichen sanken deutlich, gefährliche Körperverletzungen blieben auf hohem Niveau. Die Zahl der nichtdeutschen Tatverdächtigen im Jugendbereich sank erstmals seit 2021.
Landespolizeidirektor Mario Schwan bewertet die Rückgänge als Erfolg der Präventionsarbeit und betont die Bedeutung eines ganzheitlichen Ansatzes zur Bekämpfung von Jugendkriminalität.