Die Sachsen-Anhaltische Krebsgesellschaft (SAKG) sieht die ambulante psychotherapeutische Versorgung im Land in Gefahr. Trotz Fortschritten in den vergangenen Jahren drohten längere Wartezeiten und eine Verschlechterung der Versorgung, insbesondere für Menschen mit Krebs. Anlass sind geplante Änderungen bei der Vergütung psychotherapeutischer Leistungen.
Nach Angaben der Krebsgesellschaft warten Betroffene in Halle und Magdeburg häufig sechs bis acht Monate auf einen Therapieplatz, in ländlichen Regionen teilweise sogar mehr als ein Jahr. Die Einschätzung stützt sich auf Erfahrungen der psychosozialen Krebsberatungsstellen der SAKG und nicht auf eine repräsentative Erhebung.
„Wir waren noch lange nicht am Ziel. Aber es sind zusätzliche Angebote entstanden“, sagt Geschäftsführer Sven Weise. Sollten Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten künftig wirtschaftlich nicht mehr in größerem Umfang behandeln können, drohe „aus einem mühsamen Fortschritt eine neue Versorgungskrise“.
Besonders problematisch sei die Situation für Krebspatientinnen und -patienten. Neben den körperlichen Belastungen der Erkrankung und Behandlung litten viele unter Ängsten, Depressionen, Erschöpfung oder Rückfallängsten. Während die psychosozialen Krebsberatungsstellen erste Unterstützung, Stabilisierung und Orientierung bieten könnten, ersetzten sie keine psychotherapeutische Behandlung.
Nach Einschätzung der Krebsgesellschaft fehlen zudem ausreichend Therapeutinnen und Therapeuten mit psychoonkologischer Erfahrung, insbesondere außerhalb der größeren Städte. Gerade bei Menschen mit Krebs seien Kenntnisse über krankheitsspezifische Belastungen und die Abstimmung mit medizinischen Behandlungen wichtig.
Kritisch bewertet die SAKG auch die geplante Finanzierung psychotherapeutischer Leistungen ab 2027. Sollte sich die Vergütung verschlechtern, könnten insbesondere Praxen mit halben Kassensitzen ihr Behandlungsangebot auf den formalen Versorgungsumfang beschränken. Dadurch würden zwar statistisch gleich viele Kassensitze bestehen bleiben, tatsächlich aber weniger Therapiestunden angeboten.
Die Krebsgesellschaft fordert deshalb eine verlässliche Finanzierung der ambulanten Psychotherapie, den Schutz psychotherapeutischer Leistungen innerhalb der künftigen Honorarverteilung, eine angemessene Vergütung zusätzlicher Behandlungsstunden, mehr psychoonkologische Fortbildungen sowie eine bessere Vernetzung von Kliniken, Krebsberatungsstellen und niedergelassenen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten.
Menschen mit Krebs und ihre Angehörigen können sich weiterhin an die sechs psychosozialen Krebsberatungsstellen der Sachsen-Anhaltischen Krebsgesellschaft wenden. Die Beratung ist kostenfrei, vertraulich und ohne ärztliche Überweisung möglich.