Die wirtschaftliche Lage im Handwerk hat sich im 4. Quartal 2025 kaum verbessert. Der Geschäftslageindex liegt weiterhin bei +22 Punkten und damit nahezu auf dem Niveau des Vorquartals. Besonders das Bauhauptgewerbe und der Bereich gewerblicher Bedarf bewerten ihre Situation zurückhaltend – ein Trend, der sich bereits seit Ende 2024 abzeichnet. Stabiler bleibt die Lage im Ausbau- und Kfz-Handwerk.
„Wir brauchen nichts schönreden – die Krise ist in weiten Teilen des Handwerks angekommen und wird sich fortsetzen. Der Ball liegt vor allem in Berlin, von wo Impulse fehlen“, sagt Thomas Keindorf, Präsident der Handwerkskammer Halle.
Geschäftserwartungen deutlich eingetrübt
Der Erwartungsindex fällt auf –25 Punkte und damit deutlich unter den Wert des Vorquartals. Nur sieben Prozent der Betriebe rechnen kurzfristig mit einer Verbesserung, 38 Prozent gehen von einer Verschlechterung aus. Etwas weniger pessimistisch zeigen sich lediglich personenbezogene Dienstleistungen.
Beschäftigung sinkt weiter
Im 4. Quartal 2025 sank die Zahl der Beschäftigten im Handwerk um rund ein Prozent auf 57.500. Alle Gewerkegruppen sind betroffen. Hauptursachen sind demografische Entwicklungen, Fachkräftemangel und eine sinkende Attraktivität handwerklicher Berufe. Auch für das 1. Quartal 2026 werden weitere Verluste erwartet.
Umsatz nominal gestiegen – real geschwächt
Der nominale Umsatz stieg um etwa drei Prozent, preisbereinigt fällt das Plus deutlich geringer aus. Die Unterschiede zwischen den Gewerken bleiben groß: Während personenbezogene Dienstleistungen und Ausbauhandwerke zulegen konnten, verzeichnete das Bauhauptgewerbe deutliche Rückgänge. In 39 Prozent der Betriebe stiegen die Umsätze, in 32 Prozent sanken sie.
Auslastung sinkt – Auftragsreichweite steigt
Die Auftragsreichweiten erhöhten sich von 5,8 auf 6,8 Wochen – hauptsächlich wegen winterlicher Verzögerungen. Gleichzeitig nahm die durchschnittliche Auslastung der Betriebe weiter ab und lag bei 77 Prozent (nach 82 bzw. 80 Prozent im 2. und 3. Quartal).
Weniger Betriebe im Kammerbezirk
Zum 31. Dezember 2025 waren 12.755 Handwerksbetriebe registriert, 130 weniger als Ende Oktober und 194 weniger als ein Jahr zuvor. Betroffen sind ausschließlich zulassungspflichtige Handwerke. Besonders problematisch ist der Rückgang größerer Betriebe, der sich auf Beschäftigung und Ausbildungsleistung auswirkt.
Die Handwerkskammer verweist auf die wachsende Bedeutung eines gesellschaftlichen Umdenkens: Das Handwerk sei als wirtschaftlicher Faktor stärker zu berücksichtigen.
Hemmnisse nahezu unverändert
Wie bereits in den Vorjahren nennen die Betriebe am häufigsten folgende Belastungen:
- hohe Sozialabgaben und Steuern (rund 75 %),
- bürokratische Anforderungen (59 %),
- Fachkräftemangel (43 %).
Auffällig ist, dass die fehlende Nachfrage 2025 deutlich häufiger genannt wurde – ein Hinweis auf die Tiefe der konjunkturellen Schwäche und den Bedarf an wirtschaftspolitischen Maßnahmen.