Es gibt ein neues Siegel, mit dessen Hilfe alle Bürgerinnen und Bürger ihre Situation auf dem Wohnungsmarkt besser einschätzen können. Das Siegel „MEINFAIRMIETER“ gilt demnach als eine Art „sozialer Kompass“.
Der Hintergrund: Die vom Job-Center übernommenen Mieten für Single-Haushalte stiegen innerhalb von gut sechs Jahren (März 2014 bis August 2020) um 17,0 Prozent, während die Verbraucherpreise in diesem Zeitraum nur um 6,5 Prozent zulegten.
„Bei den Mieten wird oft rausgeholt, was rauszuholen ist. Dabei
bauen Vermieter auf die Job-Center‘ als ‚zuverlässige Zahlstelle‘.
Diese übernehmen die Kosten für Wohnungen ‚einfachen Standards‘.
Auf genau diese Wohnungen
sind aber nicht nur Hartz-IV-Empfänger angewiesen, sondern eben
auch die vielen anderen Haushalte mit niedrigen Einkommen.“, sagt
der Leiter des Pestel-Instituts, Matthias Günther. „Das Angebot an
günstigen Wohnungen sei
rar. Gerade Neuvermietungen nutzten viele Vermieter, um
Maximalmieten zu erzielen.“
Um eine bessere Orientierung bei Wohnungsangeboten zu bekommen,
gibt es nun also das Mieter-Gütesiegel „MEINFAIRMIETER“, welches
als Wohnungsmarkt-Label insbesondere die soziale Verantwortung von
Vermietern prüft. Das Siegel sei ein „Sozial-Kompass für den
Wohnungsmarkt“ – und für weite Teile der Bevölkerung relevant: Fast
ein Viertel der Beschäftigten arbeitet nach Angaben des
Pestel-Instituts bundesweit im Niedriglohnsektor: Vom
Mindestlohnbezieher über Alleinerziehende bis hin zu Rentnern, die
ihre kleine Rente mit einem Minijob
aufbesserten.
„Der Staat agiert inzwischen mangels eigener Wohnungen als Mietentreiber, weil er Mieten akzeptieren muss, bei denen viele Vermieter offensichtlich die Schmerzgrenze ausreizen.“, so Matthias Günther.
Aber auch unter den Vermietern macht sich zunehmend Unmut breit.
Vor allem die vielen noch vorhandenen Wohnungsgesellschaften in
öffentlichem Eigentum und die Genossenschaften fühlen sich zu
Unrecht in der Schublade der „gierigen Vermieter“ wieder.
„Wie alle anderen Unternehmen müssen auch Wohnungsunternehmen
Gewinne erzielen, um langfristig bestehen zu können. Die Umsetzung
jedes Mieterhöhungsspielraums ist dabei aber nicht nötig. Gerade
beim Grundbedürfnis Wohnen kann der Grundsatz, dass der Gebrauch
von Eigentum zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen soll,
nicht stark genug betont werden.“, so Günther.
Auch hinter der Wohnungsmarkt-Analyse für Halle (Saale) steht
das Gütesiegel „MEINFAIRMIETER“, das vom Pestel-Institut durch
dessen Leiter, Matthias Günther, mit initiiert wurde. Faire
Vermieter, ob öffentlich, genossenschaftlich oder privat, müssen
für die Wohnungssuchenden erkennbar sein. In der Schaffung von
Markttransparenz wird ein Schwerpunkt der Arbeit des Gütesiegels
gesehen. „Aber natürlich werden wir auch wohnungspolitische
Forderungen wie etwa die dringend notwendige Stärkung des
Sozialwohnungsbestandes und die Verbesserung der Rahmenbedingungen
für den Wohnungsbau insgesamt im Fokus haben.“, betonen die Gründer
des Gütesiegels. Denn letztlich hat eine unzureichende
Wohnungspolitik dazu geführt, dass auch in Halle (Saale) trotz
eines rechnerischen Überhangs von 5,3 Prozent des Wohnungsbestands
die Mieten für einfache Wohnungen stark gestiegen sind.
2 comments on “Kein Wohnraum für Geringverdiener – Wohnungsmarkt-Analyse für Halle (Saale)”
klingt gut. hoffentlich klingt es nicht nur gut, sondern nützt!
(jedenfalls kommt mein vermieter nicht auf diese liste- eher auf die antiliste.)
Nach Besichtigung einer Wohnung, Einschätzung des Umfeldes und der absehbaren Bedingungen sowie Abwägung der Mietkosten, bezieht man
eine Wohnung, wenn die persönliche Einschätzung positiv ist.
Die wahre Fairnis jedoch erkennt man meist erst dann, wenn man an den Vermieter eine Bitte stellt (ohne dass dies mit finanziellem oder materiellen Aufwendungen des Vermieters verbunden ist), selbst dann, wenn man als Mieterin und Genossenschaftsmitglied Leistungen für die Gemeinschaft erbringt, die an die eigene körperliche Leistungsfähigkeit höchste Anforderungen stellt und dise sogar überschreitet.
Unter Umständen sehnt man sich zum alten Vermieter zurück, der einen im konkreten Fall mit Sicherheit unterstützt hätte. Da war man bis zur Wende 12 Jahre auch Miteigentümer wie alle Mieter und danach 23 Jahre nur Mieter, jetzt ist man Genossenschaftsmitglied und damit eben auch Miteigentümer. Aber dieses Miteigntum unterscheidet sich erheblich von dem, was ich bis 1990 erfuhr.