Mitteilung der Pressestelle des SPD-Landesverbandes Sachsen-Anhalt zum Thema „Sekundarschulen stärken“:
Die SPD-Landtagsfraktion bekräftigt ihre Kritik an den beabsichtigten Kürzungen von Lehrkräftezuweisung und Stundentafel für die Sekundar- und Gemeinschaftsschulen und will den Koalitionspartnern stattdessen Vorschläge unterbreiten, wie die beiden Schulformen gestärkt werden können. Das ist das Ergebnis der jüngsten Fraktionssitzung der SPD. Eine weitere Abwertung der Sekundarschule und die drohende Austrocknung des Modells Gemeinschaftsschule wären „ein Desaster für das Schulsystem in Sachsen-Anhalt“, so die Fraktionsvorsitzende Katja Pähle. Diese Entwicklung müsse abgewendet werden.
Lehrkräfte schulformübergreifend einsetzen
Im Mittelpunkt des SPD-Ansatzes steht der Vorschlag, Lehrkräfte schulformübergreifend einzusetzen. „Die Vorschläge von Minister Tullner gehen einseitig zu Lasten der Sekundar- und Gemeinschaftsschulen. Wenn das Wirklichkeit wird, vergrößert sich das Gefälle zwischen den Gymnasien und den anderen Schulformen noch, und das von Unternehmen und Kammern seit langem beklagte Leistungsniveau zu Beginn der dualen Ausbildung sinkt weiter“, sagte Pähle. „Deshalb muss es einen fairen Einsatz von Lehrkräften in allen Schulformen geben. Deshalb sollten wir jetzt offensiv dafür werben, dass Gymnasiallehrerinnen und -lehrer ihren Schuldienst an der Sekundarschule aufnehmen.“
Keine Nachteile für Einsatz an Sekundar- und Gemeinschaftsschulen für Berufseinsteiger
Konkret geht es darum, Berufsanfängerinnen und -anfängern, die ein Lehramtsstudium fürs Gymnasium absolviert haben, eine Anstellung an Sekundar- und Gemeinschaftsschulen und für Fächer mit besonders hohem Bedarf anzubieten. Dafür sollen ihnen keine beruflichen Nachteile gegenüber Berufsanfängerinnen und -anfängern am Gymnasium entstehen. Die beamtenrechtlichen Voraussetzungen dafür wurden durch eine Veränderung der Schullaufbahnverordnung im November 2019 bereits geschaffen. Perspektivisch spricht sich die SPD dafür aus, das Lehramtsstudium auf eine schulformübergreifende Stufenausbildung umzustellen.
Katja Pähle: „Ein modernes Schulsystem muss durchlässig sein – das gilt nicht nur für die Schülerinnen und Schüler, sondern auch für Lehrerinnen und Lehrer.“ Die SPD-Fraktionsvorsitzende spricht sich dafür aus, die Einstellungsangebote an Sekundar- und Gemeinschaftsschulen mit besonders großem Lehrkräftebedarf auch durch die Zahlung von Zuschlägen zu unterstützen.
Die bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Angela Kolb-Janssen, bekräftigte das Ziel, die Gemeinschaftsschule zu stärken: „Das längere gemeinsame Lernen, unabhängig vom angestrebten Bildungsabschluss, hilft allen Schülerinnen und Schülern. Deshalb sind schulformübergreifend ausgebildete und einsetzbare Lehrkräfte das Modell der Zukunft.“
Unterstützung durch pädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sicher stellen
Gestärkt werden sollen Sekundar- und Gemeinschaftsschulen zudem durch mehr Stellen für pädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die unterrichtsergänzende Angebote gestalten und so die Attraktivität der Schulstandorte erhöhen. Die SPD-Fraktion drängt außerdem auf die vollständige Umsetzung des Landtagsbeschlusses zur Absicherung der Unterrichtsversorgung vom 25. Oktober 2018.
6 comments on “Katja Pähle: „Gymnasiallehrer für den Dienst an Sekundarschulen gewinnen“”
Neue Lecks, damit das Schiff länger schwimmt?
Interessant, der Vorschlag klingt fast wie die DDR-Lehrerausbildung, die für POS / EOS eine gemeinsame war. (EOS gab es zumeist, mit wenigen Ausnahmen erst ab Kl.11) Schließlich muss ein Lehrer Kinder unterrichten können, egal ob sie von ihren Eltern auf eine Sekundarschule, Gesamtschule, Gemeinschaftsschule oder ein Gymnasium geschickt werden.
An der grundlegenden Ungerechtigkeit wird das aber nichts ändern. In der Bundesrepublik gibt es an der Sekundarschule in der Regel die Besoldungsgruppe A12 und oft viele schwierige Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern, am Gymnasium gibt es dagegen zumeist die A13 mit deutlich mehr Unterstützung durch an Bildung ihrer Kinder interessierte Eltern. Auch der (psychischen) Lehrergesundheit ist so ein Gymnasium oftmals zuträglicher als die Sekundarschule.
Eine Gleichstellung von Sekundar- und Gymnasialschullehrer wäre wohl ein weiterer, nötiger Schritt gegen ein Zweiklassen-Schulsystem.
„Gymnasiallehrer für den Dienst an Sekundarschulen gewinnen“
Die Idee halte ich für falsch. Es wäre angebrachter, mehr Sekundarschüler für Gymnasien zu gewinnen. Das deutsche Bildungssystem ist – weltweit betrachtet – von unten nach oben am wenigsten durchlässig.
SfK schrieb:
„Es wäre angebrachter, mehr Sekundarschüler für Gymnasien zu gewinnen.“
Ich wäre dafür, die IGS als Regelschule einzuführen, und eine Selektion der Schüler frühestens ab der 8. Klasse durchzuführen. Damit würde sich das Problem der Bildungsgerechtigkeit eleganter lösen lassen.
So wäre es mir auch recht.
@hei-wu will die DDR wieder haben, soweit ist die SPD schon….