Mit dem bisherigen Stadtratsvorsitzenden Jan Riedel (CDU) übernimmt eine profilierte Persönlichkeit aus Halle das Bildungsministerium des Landes Sachsen-Anhalt. Der 53-jährige Schulleiter des renommierten Lyonel-Feininger-Gymnasiums tritt damit die Nachfolge von Eva Feußner an, die nach anhaltender Kritik und wachsendem politischen Druck am Sonntag entlassen worden war.
Aus der halleschen Kommunalpolitik kommt nun Rückenwind: Die Fraktion Volt / MitBürger bewertet Riedels Ernennung als Chance für einen dringend benötigten Neuanfang. Fraktionsvorsitzender Detlef Wend erklärte am Montag: „Jan Riedel hat sein Verständnis für die Anforderungen an ein modernes Bildungswesen bereits als Schulleiter unter Beweis gestellt. Mit Pragmatismus und Mut zu neuen Wegen hat er das Feininger-Gymnasium zu einer der beliebtesten Schulen in Halle gemacht.“
Auch seine bisherige Rolle als Vorsitzender des Stadtrats hebt Wend positiv hervor: Riedel sei in der Lage gewesen, hitzige Debatten lösungsorientiert zu moderieren – eine Fähigkeit, die sich nun auch in der Landespolitik bewähren müsse. „In den letzten Jahren konnte man den Eindruck gewinnen, das Bildungsministerium sei mehr mit ideologischen Grabenkämpfen beschäftigt gewesen als mit der Suche nach den besten Lösungen für unsere Kinder und Jugendlichen“, kritisiert Wend die Amtszeit von Riedels Vorgängerin Feußner.
Besondere Erwartungen verbindet Volt / MitBürger mit zwei bildungspolitischen Baustellen in Halle: Der wachsende Elternwille nach Integrierten Gesamtschulen sei zuletzt „systematisch ausgebremst“ worden, so Wend. Riedel, der die kommunalen Konflikte aus eigener Anschauung kenne, solle nun einen „pragmatischen Umgang“ damit finden. Auch die Schulsozialarbeit müsse gestärkt und aus der Unsicherheit städtischer Haushalte herausgelöst werden: „Gerade in Halle mit seinen sozialen Herausforderungen ist das ein Gebot der Verantwortung.“
Die Fraktion kündigte ihre Unterstützung an, sollte Riedel diese Punkte beherzt angehen. „Mit diesen zwei Schritten wäre schon viel erreicht“, betonte Wend. Sachsen-Anhalts Bildungslandschaft könnte mit dem halleschen Minister an der Spitze in ruhigeres Fahrwasser geraten – vorausgesetzt, Riedel bleibt dem lösungsorientierten Kurs treu, den er in Halle vorgelebt hat.