(Quelle: MDR, Bericht von André Damm) In Sachsen-Anhalt, wo die Energiewende auf vielen Dächern längst sichtbar ist, warten unzählige private Stromerzeuger noch immer auf ihr Geld. Trotz eines beispiellosen Solarbooms zahlen manche Netzbetreiber wie Mitnetz über Jahre hinweg keine Einspeisevergütung. Für viele Betroffene ist das nicht nur eine finanzielle Belastung – es ist ein Vertrauensbruch.
Rund 4,3 Millionen Photovoltaikanlagen sind bundesweit registriert, darunter mehr als eine Million sogenannte Balkonkraftwerke. Sachsen-Anhalt liegt beim Ausbau der privaten Solarstromerzeugung im Spitzenfeld. Doch ausgerechnet dort zeigt sich, wie unvorbereitet Teile der Infrastruktur auf diesen Wandel reagieren.
Der Netzbetreiber Mitnetz, zuständig in großen Teilen Ostdeutschlands, verweist auf eine IT-Umstellung im Sommer 2024. Diese habe dazu geführt, dass tausende Anschlussvorgänge manuell nachbearbeitet werden müssten. Fehlende Unterlagen und eine „große Anschlusswelle“ in der Boomzeit hätten das Problem verschärft, wie Unternehmenssprecher David Köster gegenüber dem MDR einräumte. Die genaue Zahl der betroffenen Fälle bleibt unklar – von wenigen Einzelfällen kann jedoch keine Rede sein.
Für viele Anlagenbetreiber ist die Lage zermürbend. Die Mitnetz-Hotline sei kaum erreichbar, und wer durchkomme, werde lediglich vertröstet, so die Recherchen des MDR.
Dabei steht Mitnetz als Tochterunternehmen von EnviaM, mehrheitlich im Besitz von RWE und ostdeutschen Kommunen, unter wachsendem Druck. Der Stromnetzbetreiber betreut ein 71.000 Kilometer langes Netz in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg. Die Zahl der registrierten Solaranlagen ist allein 2023 um fast 20 Prozent auf über 110.000 gestiegen. Die Zahl der Balkonkraftwerke hat sich in einem Jahr gar verdoppelt.
Immerhin: Für 2025 kündigt Mitnetz Investitionen in Rekordhöhe von 565 Millionen Euro an. Diese sollen unter anderem in den Netzausbau und die „Smartifizierung“ fließen. Neue Anlagenbetreiber könnten laut Unternehmensangaben mittlerweile mit einer Bearbeitungszeit von rund 20 Wochen rechnen – ein Hoffnungsschimmer für künftige Sonnenstrom-Produzenten.
Doch für jene, die seit Jahren auf ihr Geld warten, ist das nur ein schwacher Trost. Die Energiewende braucht nicht nur Engagement – sie braucht auch Verlässlichkeit. Und die scheint für viele in Sachsen-Anhalt derzeit nicht auf der Rechnung zu stehen.