Magdeburg verliert milliardenschweres Leuchtturmprojekt – Sozialkombinat Ost fordert wirtschaftspolitisches Umdenken
Nun ist es offiziell: Der US-Chiphersteller Intel wird keine Fabrik in Magdeburg bauen. Auch das parallele Projekt im polnischen Wroclaw ist gestrichen. Damit ist ein zukunftsweisendes Vorhaben, das als Meilenstein für die wirtschaftliche Entwicklung Ostdeutschlands gefeiert wurde, gescheitert – trotz Zusagen über knapp zwölf Milliarden Euro staatlicher Förderung aus Deutschland und der EU.
Für viele in der Region ist das mehr als ein Rückschlag: Es ist ein bitteres Déjà-vu. Die Erinnerungen an die versprochenen Blütenträume der Nachwendezeit, die oft in Enttäuschung mündeten, werden wieder wach. Einmal mehr stand Ostdeutschland im Zentrum eines industriepolitischen Großprojekts – und steht nun mit leeren Händen da.
Der neue Intel-CEO Lip-Bu Tan, der im März das Ruder von Pat Gelsinger übernahm, setzt die unter Gelsinger begonnene Strategie fort, den Konzern zu verschlanken. Neben der Aufgabe der Standorte in Europa wird auch der Ausbau in den USA gebremst, der Standort in Costa Rica wird geschlossen. Dies geschieht, obwohl Intel zuletzt mit soliden Umsätzen glänzen konnte. Doch die Kundennachfrage nach der neuen Fertigungstechnologie 18A bleibt hinter den Erwartungen zurück. Besonders brisant: Sollte Intel keinen bedeutenden externen Kunden für die geplante nächste Technologiegeneration 14A gewinnen, droht das gesamte Vorhaben zu scheitern – und mit ihm womöglich Intels Ambition, als westlicher Champion der Chipproduktion gegen asiatische Konkurrenz zu bestehen.
Das Beispiel zeigt: Auch mit massiven staatlichen Subventionen im Rücken gelingt es Intel nicht, das Vertrauen des Finanzmarkts zu gewinnen. Wie der Ökonom Adam Tooze bereits 2023 bei Maybrit Illner prophezeite, sehen viele Anleger in Intel ein „Verliererunternehmen“. Die milliardenschwere Wette auf neue Produktionskapazitäten – ob in den USA oder Europa – überzeugt die Märkte nicht. CEO Tan brachte es nüchtern auf den Punkt: „Ich werde nur investieren, wenn ich davon überzeugt bin, dass diese Renditen erzielt werden können.“
In Magdeburg bleibt nun Ernüchterung. Für das Sozialkombinat Ost, eine linke Organisation mit Sitz in der Stadt, ist die Absage mehr als nur ein geplatzter Wirtschaftstraum. „Statt ein einziges Leuchtturmprojekt wie Intel zu forcieren, brauchen wir ein Umdenken in der Wirtschaftspolitik“, heißt es in einer Stellungnahme. Große Konzerne kämen und gingen – was bleibe, sei die Verwundbarkeit der Region. „Nicht Abermilliarden für schwankende Großansiedlungen, sondern dauerhafte Förderung für kleine und mittlere Unternehmen, die hier verwurzelt sind.“
Einmal mehr zeigt sich: Industriepolitik im Stil eines Pokerspiels ist riskant. Und im Osten ist der Einsatz besonders hoch. Die Folgen des Scheiterns spüren hier nicht nur die politischen Entscheidungsträger – sondern vor allem die Menschen vor Ort.
2 comments on “Intel zieht sich zurück – Ostdeutschlands Wirtschaftstraum geplatzt. Linker Thinktank fordert Umdenken”
KMU fördern ist ganz nett, leider sehr theoretisch. KMU siedeln sich gerne in der Nähe von Industriezentren (Stuttgart/München – Automobil, Rhein-Neckar – Chemie, Frankfurt – Banken, Nürnberg -Medizintechnik, etc.). Wachstum mit ein oder zwei Großkunden ist planbarer und stabiler. Ein Problem ach der Wende war, dass die Konzerne zwar die ein oder andere Produktionsstätte im Osten aufgebaut haben, die (Einkaufs-) Konzernzentralen sind im Westen geblieben.
„die (Einkaufs-) Konzernzentralen sind im Westen geblieben.“
Was Gründe hatte. Wer wollte damals schon mit seiner Familie rüberziehen, wo es an den Schulen nur so von Glatzen mit Springerstiefeln wimmelte?