Teutschenthal/Halle (Saale). Die Betreiberin der Untertagedeponie für gefährliche Abfälle im ehemaligen Salzbergwerk Teutschenthal hat Insolvenz angemeldet. Der Betrieb der Grube soll zunächst fortgeführt werden, die rund 100 Beschäftigten erhalten für die kommenden drei Monate Insolvenzgeld. Gleichzeitig wächst die Sorge, dass auf das Land Sachsen-Anhalt erhebliche finanzielle Belastungen zukommen könnten. Die Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen fordert deshalb einen umfassenden Vorsorge- und Sicherungsplan.
Nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters der Grube Teutschenthal Sicherungs GmbH (GTS) läuft der Deponiebetrieb zunächst weiter. In der Untertagedeponie werden unter anderem Filterstäube aus Müllverbrennungsanlagen sowie chemische Abfälle dauerhaft eingelagert.
Land könnte für Sicherung aufkommen müssen
Wie die Mitteldeutsche Zeitung berichtet, könnte die Insolvenz den Landeshaushalt erheblich belasten. Sollte sich kein Investor für die GTS finden, müsste das Land im Rahmen der Gefahrenabwehr die Stilllegung und dauerhafte Sicherung der Deponie übernehmen. Eine frühere Hochrechnung des Wirtschaftsministeriums bezifferte die möglichen Kosten auf rund 130 Millionen Euro.
Hintergrund der Insolvenz ist offenbar ein seit Längerem schwelender Streit über die Finanzierung der Grube. Die GTS hatte das Land um finanzielle Unterstützung gebeten, eine Einigung kam jedoch nicht zustande.
Das Wirtschaftsministerium erklärte, eine vollständige Übernahme der Grube durch das Land sei nicht vorgesehen. Sollte kein neuer Betreiber gefunden werden, würden notwendige Sicherungsmaßnahmen durch das Landesamt für Geologie und Bergwesen Sachsen-Anhalt (LAGB) im Rahmen der Gefahrenabwehr organisiert.
Grüne sehen Landesregierung in der Pflicht
Die Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen sieht die Insolvenz als Bestätigung einer seit Monaten absehbaren Entwicklung. Bereits im April habe sich abgezeichnet, dass die Betreiberin die Kosten für Stilllegung und Verwahrung der Grube nicht mehr aus eigener Kraft werde tragen können. Damals hatte der Landtag bereits 90.000 Euro für externe Rechtsberatung bewilligt.
Der umweltpolitische Sprecher der Fraktion, Wolfgang Aldag, fordert nun einen belastbaren Plan der Landesregierung:
„Es reicht nicht, die Verantwortung für das Bergwerk von sich zu weisen, während die Gefahrenabwehr direkt auf das Land zukommt. Wer am Ende die Grube sichern, die Bevölkerung schützen und die Folgen bezahlen muss, trägt faktisch die Verantwortung.“
Aldag verweist darauf, dass in rund 700 Metern Tiefe belastete Stoffe unter anderem mit Quecksilber und Arsen lagern. Deshalb dürfe die Landesregierung keine Zeit verlieren. Sie müsse darlegen, wie die Grube dauerhaft gesichert, die Bevölkerung geschützt und die Arbeitsplätze erhalten werden können.
„Private Gewinne dürfen nicht zu öffentlichen Altlasten werden“
Auch der finanzpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Olaf Meister, kritisiert die Entwicklung deutlich. Unternehmen dürften wirtschaftliche Risiken nicht auf die Allgemeinheit abwälzen.
„GTS und ihre Eigentümer dürfen das Land nicht erst mit einer Insolvenz unter Druck setzen und anschließend die Rechnung beim Steuerzahler abladen. Wer jahrelang Gewinne erzielt hat, muss auch für die Folgen geradestehen. Private Gewinne dürfen nicht zu öffentlichen Altlasten werden.“
Meister fordert von der Landesregierung vollständige Transparenz darüber, welche Gespräche mit dem Unternehmen geführt wurden, welche Unterstützungsmodelle im Raum standen und weshalb keine tragfähige Lösung erreicht werden konnte.
Forderung nach neuer Betreiberlösung
Nach Ansicht der Grünen müsse nun geprüft werden, ob ein anderer Betreiber die Untertagedeponie übernehmen könne und unter welchen Bedingungen dies möglich sei. Gleichzeitig verlangen sie eine Unterrichtung der zuständigen Landtagsausschüsse sowie langfristig strengere gesetzliche Regelungen für Betreiber umweltrelevanter Anlagen. Unternehmen müssten dauerhaft in der Lage sein, für Stilllegung und Nachsorge ihrer Anlagen einzustehen.
Die Insolvenz der GTS entwickelt sich damit nicht nur zu einem wirtschaftlichen Problem für das Unternehmen und seine Beschäftigten, sondern könnte auch erhebliche finanzielle und umweltpolitische Folgen für Sachsen-Anhalt nach sich ziehen.
Quellen: MDR Sachsen-Anhalt (24. Juli 2026); Mitteldeutsche Zeitung; Pressemitteilung der Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen Sachsen-Anhalt vom 25. Juli 2026.