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Insolvenz bei Meyer Burger: Zwischen Hoffnung, Wut und der Angst vor dem nächsten Strukturbruch

Wolfen-Thalheim – Die Nachricht traf die Beschäftigten hart – und dennoch nicht ganz unvorbereitet: Am 1. Juni 2025 meldete die Unternehmensleitung von Meyer Burger Insolvenz für die deutschen Standorte Wolfen-Thalheim (Sachsen-Anhalt) und Freiberg (Sachsen) an. Was folgt, ist nun ungewiss: Investorensuche, Gespräche mit der Politik – und vor allem ein banges Warten der rund 330 Mitarbeitenden am Standort Wolfen-Thalheim.

Die Stimmung in der Belegschaft schwankt zwischen stiller Hoffnung und offener Wut. Denn viele von ihnen haben den Abschwung der deutschen Solarindustrie schon einmal durchlebt. Die Region galt einst als Herzstück des „Solarvalley“, als Symbol technologischer Zukunft. Doch auf die Euphorie folgten Insolvenzen, Werksschließungen – und bittere persönliche Brüche. Meyer Burger war für viele ein Neuanfang. Und nun?

Matthias Otto, Betriebsratsvorsitzender, bringt die Fassungslosigkeit auf den Punkt: „Es ist doch völlig verrückt, dass wir in Deutschland auf erneuerbare Energien setzen – und gleichzeitig die Produktionsstätten für diese Technologien sterben lassen.“ Die Beschäftigten, so Otto, hätten zuletzt intensiv auf eine Rettung durch einen Investor gehofft. Noch gibt er die Hoffnung nicht auf: Das Insolvenzverfahren eröffne möglicherweise neue Wege, das Werk zu erhalten.

Almut Kapper-Leibe, Geschäftsführerin der IG Metall Halle-Dessau, richtet den Blick auf die politischen Verantwortlichen: „Gerade die Landespolitik ist jetzt gefordert, diesen Prozess aktiv und positiv zu begleiten.“ Es gehe um mehr als eine Fabrik – es gehe um Fachkräfte, regionale Wertschöpfung und eine Industriepolitik, die ihren Namen verdient.

Der Standort in Wolfen-Thalheim, wo hocheffiziente Solarzellen gefertigt werden, galt lange als zukunftsträchtig. Doch internationale Konkurrenz, ein schwankender Markt und eine teils unentschlossene Förderpolitik setzten der Solarbranche in Deutschland immer wieder zu. Der Mutterkonzern in der Schweiz konnte das deutsche Geschäft offenbar nicht länger stützen.

Nun heißt es: Insolvenzverwaltung, Gläubigerversammlung, Zukunftssuche. Für die Menschen vor Ort bedeutet das vor allem eines – Ungewissheit. Und für die Energiewende in Deutschland eine alarmierende Mahnung, dass technologische Ambitionen ohne industrielle Basis nicht zu haben sind.

One comment on “Insolvenz bei Meyer Burger: Zwischen Hoffnung, Wut und der Angst vor dem nächsten Strukturbruch”

  1. Überraschend war, dass Meyer-Burger in Thalheim nach Q-Cells noch einmal einen Versuch gestartet hat. Technologievorsprung weitgehend aufgebraucht, hohe Energie-, Personal-, Bürokratie-, Kapitalkosten, hohe Steuern und Abgaben – wie sollte das funktionieren?

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