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Immer mehr grenzüberschreitende Mülltransporte

Die Zahl der Anträge für grenzüberschreitende Abfalltransporte in Sachsen-Anhalt ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Nach Angaben des Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt wurden 2025 insgesamt 228 Anträge auf Mülltransporte in oder aus dem Ausland gestellt. Das entspricht einem Anstieg von rund 80 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2024: 139 Anträge). Bereits in den ersten beiden Monaten des Jahres 2026 gingen 41 weitere Anträge ein.

Das Thema steht derzeit auch im Mittelpunkt einer Konferenz mitteldeutscher Abfallbehörden in Halle (Saale). Vertreter aus Brandenburg, Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt beraten dort über aktuelle Herausforderungen bei der Kontrolle und Genehmigung von Abfalltransporten.

Der für Kreislaufwirtschaft zuständige Abteilungsleiter des Landesverwaltungsamtes, Michael Wersdörfer, spricht von einem dynamischen Markt: Abfälle würden längst national wie international gehandelt. Jeder Transport über Ländergrenzen hinweg unterliege deshalb einem strengen Genehmigungsverfahren.

Sorge vor wachsendem Mülltourismus

Mit dem starken Anstieg der Transporte rückt auch das Problem des Mülltourismus stärker in den Fokus. Dabei werden Abfälle gezielt dorthin gebracht, wo Entsorgung oder Verwertung günstiger ist. Sachsen-Anhalt gilt mit rund 380 Anlagen der Abfallwirtschaft als wichtiger Standort der Branche – und zieht daher auch Müll aus anderen Bundesländern und dem Ausland an.

Nach Angaben der Behörden wurden seit 2020 im Zusammenhang mit solchen Transporten 79 Ordnungswidrigkeiten und 16 Strafanzeigen registriert. Ziel der Behörden ist es deshalb, Transporte stärker zu kontrollieren und illegale oder problematische Verbringungen frühzeitig zu erkennen.

Neue EU-Regeln sollen für mehr Kontrolle sorgen

Ab 21. Mai 2026 tritt die neue europäische Verordnung zur Abfallverbringung in Kraft. Sie soll Transporte transparenter und besser kontrollierbar machen. Künftig sollen Genehmigungen und Dokumente vollständig digital abgewickelt werden. Außerdem werden klare Entscheidungsfristen für Behörden eingeführt und strengere Vorgaben für Exporte in Staaten außerhalb der EU festgelegt.

Die Behörden erhoffen sich dadurch mehr Transparenz und bessere Möglichkeiten, Risiken für Umwelt und Verbraucher zu vermeiden. Denn mit jährlich rund 1,1 Millionen Tonnen Siedlungsabfällen, 2,15 Millionen Tonnen gefährlichen Abfällen und über acht Millionen Tonnen weiteren Abfallmengen bleibt die Abfallwirtschaft ein bedeutender Wirtschaftszweig – mit wachsenden Herausforderungen für Kontrolle und Umweltschutz.

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