Mit einem klaren Appell an Politik, Wirtschaft und Gesellschaft hat die Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau (IHK) ihre Verantwortung für die Bildungslandschaft Sachsen-Anhalts bekräftigt. Die Vollversammlung der Kammer verabschiedete am 20. Juni ein umfassendes Positionspapier zur Stärkung der MINT-Bildung – also der Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Zwölf konkrete Handlungsempfehlungen sollen künftig als Kompass für eine zukunftssichere Bildungsstrategie dienen.
„Der Mangel an qualifizierten Fachkräften im MINT-Bereich ist längst eine Wachstumsbremse für unsere Wirtschaft“, erklärte IHK-Präsident Sascha Gläßer. „Wer über Innovation, Digitalisierung und Transformation spricht, muss über MINT sprechen.“
Die Kammer stützt sich bei ihrem Papier auf breite Konsultationen mit Unternehmen, Schulen und Hochschulen. Das Ziel: eine systematisch gestärkte MINT-Bildung entlang der gesamten Bildungskette. Der Maßnahmenkatalog reicht von der frühkindlichen Förderung über feste Stundenkontingente in den Lehrplänen bis hin zur institutionellen Verankerung außerschulischer Lernorte wie Schülerlaboren oder Feriencamps.
Ein zentrales Anliegen ist die Aufwertung des Lehrerberufs in MINT-Fächern. Die IHK fordert praxisnähere Studiengänge, gezielte Förderprogramme und mehr Eigenverantwortung für MINT-Lehrkräfte an Schulen. Auch die dauerhafte Finanzierung und strukturelle Unterstützung von außerschulischen Lernorten sei unverzichtbar.
Weitere Empfehlungen betreffen unter anderem:
- die systematische Frühförderung in Kita und Grundschule,
- verpflichtende MINT-Stunden an allen Schulformen,
- die Einrichtung eines Bildungsfonds,
- stärkere regionale Vernetzung,
- sowie gezielte Programme zur Gewinnung internationaler Fachkräfte.
Mit dem Beschluss wolle man ein starkes Signal senden, so Gläßer: Bildung dürfe nicht länger als nachgelagerte Aufgabe gesehen werden. „Zukunft entsteht aus gemeinsamer Verantwortung – zwischen Wirtschaft, Staat und Zivilgesellschaft.“