Die Wirtschaft im Bezirk der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau (IHK) kommt weiterhin kaum voran. Zwar hat sich die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem schwachen Jahresauftakt etwas verbessert. Eine nachhaltige Trendwende ist nach Einschätzung der IHK jedoch nicht in Sicht. Das IHK-Geschäftsklima bewegt sich weiterhin nahe der Nulllinie.
Die zwischenzeitliche Entspannung bei den Energiepreisen und eine etwas ruhigere geopolitische Lage haben die Lageeinschätzungen verbessert. Bei den Erwartungen für die kommenden Monate wächst dagegen wieder der Pessimismus. Als wichtigste Risiken nennen die Unternehmen Energie- und Rohstoffpreise, steigende Arbeitskosten und die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen.
„Die Unternehmen bewerten ihre Aussichten wieder pessimistischer“, sagt IHK-Konjunkturexperte Danny Bieräugel. Neben der schwachen Nachfrage belasteten vor allem die steigenden Kosten die Stimmung. Die Unsicherheit erschwere langfristige Entscheidungen über Investitionen und Beschäftigung.
Auch IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Brockmeier sieht weiteren Reformbedarf. Die im Koalitionsausschuss beschlossenen Vorhaben zum Bürokratieabbau, zur Genehmigungsfiktion und zu einer risikoorientierten Aufsicht seien zwar Schritte in die richtige Richtung. Für eine echte Trendwende brauche es aber vor allem Entlastungen bei Energie- und Arbeitskosten sowie dauerhaft wettbewerbsfähige Standortbedingungen.
In der Industrie hat sich die Geschäftslage etwas verbessert. Umsätze und Auftragseingänge entwickeln sich wieder stabiler, die Auslastung der Produktionskapazitäten bleibt jedoch vergleichsweise niedrig. Hohe Energie- und Arbeitskosten sowie regulatorische Vorgaben belasten weiterhin die Wettbewerbsfähigkeit.
Im Baugewerbe wurden die witterungsbedingten Rückschläge zu Jahresbeginn weitgehend aufgeholt. Eine nachhaltige Belebung ist laut IHK aber nicht erkennbar. Steigende Baupreise und eine schwache Nachfrage, insbesondere im Wohnungsbau, bremsen die Entwicklung.
Auch das Dienstleistungsgewerbe bleibt schwach. Vor allem die gestiegenen Arbeitskosten setzen den personalintensiven Betrieben zu. Viele Unternehmen können die höheren Kosten nicht vollständig an ihre Kunden weitergeben und planen deshalb vorsichtiger bei Personal und Investitionen.
Im Handel wird die aktuelle Lage noch vergleichsweise stabil eingeschätzt. Die Erwartungen bleiben jedoch skeptisch. Konsumzurückhaltung, steigende Kosten und sinkende Margen führen dazu, dass Unternehmen Investitionen und Neueinstellungen zurückfahren.
Im Verkehrsgewerbe hat sich die Entwicklung wieder verschlechtert. Hohe Kraftstoff- und Arbeitskosten treffen auf eine schwache Nachfrage aus Industrie und Bau. Preissteigerungen können die zusätzlichen Belastungen häufig nur teilweise ausgleichen.
Quelle: Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau (IHK), Konjunkturbericht zum 2. Quartal 2026, 11. August 2026