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Harte Arbeit, fairer Lohn: IG BAU fordert menschenwürdige Bedingungen für Erntehelfer in Halle

Sie ernten Spargel, pflücken Erdbeeren und lesen Kirschen – oft im Morgengrauen, oft in der Hitze, oft auf den Knien: Saisonkräfte sichern in Halle und der Region die Ernte. Doch hinter dem Bild von vollen Marktständen und frischem Gemüse verbirgt sich eine harte Realität. Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) appelliert nun eindringlich an die heimischen Landwirte, ihre Saisonarbeiter nicht länger wie „Feldarbeiter zweiter Klasse“ zu behandeln.

„Obst und Gemüse sind keine Billigware – und die Menschen, die sie ernten, verdienen Respekt und einen gerechten Lohn“, sagt Kerstin Fischer, Vorsitzende der IG BAU Sachsen-Anhalt Süd. Der gesetzliche Mindestlohn von 12,82 Euro pro Stunde sei das absolute Minimum, das Landwirte zahlen müssten. „Alles darunter ist illegal und ein Fall für den Zoll.“

Besonders kritisch sieht die Gewerkschaft die Lebens- und Arbeitsbedingungen der meist ausländischen Helfer. Viele von ihnen kommen aus Rumänien, Polen oder Bulgarien, teils auch aus zentralasiatischen Ländern – nicht selten über Jahre hinweg, für Wochen oder Monate. Während dieser Zeit leben sie oft in überfüllten, heruntergekommenen Unterkünften und müssen dafür teils hohe Mieten zahlen. Auch Transport und Verpflegung schlagen zu Buche – vom ohnehin knappen Lohn bleibt am Monatsende kaum etwas übrig.

Die Forderung des Deutschen Bauernverbands, Saisonarbeit mit nur 80 Prozent des Mindestlohns zu vergüten, wurde inzwischen vom Bundesagrarministerium abgelehnt – eine Entscheidung, die Fischer als längst überfällig bezeichnet. „Wer solche Vorschläge macht, untergräbt das Lohnniveau aller Beschäftigten – auch das der Fachkräfte“, warnt sie.

Die IG BAU verweist auf andere europäische Länder: In den Niederlanden etwa beträgt der Mindestlohn in der Landwirtschaft bereits 14,40 Euro pro Stunde – und dennoch exportieren holländische Betriebe erfolgreich nach Deutschland. „Die Ausrede, faire Löhne seien wirtschaftlich nicht tragbar, zählt nicht“, so Fischer.

Hoffnung macht der Blick auf die geplanten Entlastungen für die Landwirtschaft: Stromsteuer-Senkung, Dieselrückvergütung – „all das entlastet die Betriebe. Umso weniger nachvollziehbar ist es, wenn dann bei den Löhnen geknausert wird“, so die Gewerkschafterin.

Die IG BAU ruft auch Bürgerinnen und Bürger auf, nicht wegzuschauen. Wer Erntehelfer trifft, die Unterstützung benötigen, kann sich an das DGB-Beratungsnetzwerk „Faire Mobilität“ wenden:
📧 kontakt@faire-mobilitaet.de
📞 030 – 219 65 37 21
🌐 www.faire-mobilitaet.de – auch in mehreren Sprachen.


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