Die Dauerausstellung „Bronzerausch“ im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle wurde nach 17 Jahren umfassend erneuert und präsentiert seit Donnerstag neue wissenschaftliche Erkenntnisse und archäologische Funde aus der späten Jungsteinzeit und Frühbronzezeit. Die Neugestaltung des rund 190 Quadratmeter großen Ausstellungsbereichs bietet Besuchern einen vertieften Einblick in eine der faszinierendsten Epochen der Menschheitsgeschichte.


Die Ausstellung behandelt den Zeitraum von etwa 4.800 bis 3.550 Jahren v. Chr. und zeigt, wie eng die damalige Gesellschaft in Mitteldeutschland mit weiten Teilen Europas vernetzt war. „Wir wissen heute weit mehr über die Menschen und ihre sozialen Strukturen als noch vor 20 Jahren“, erklärte Harald Meller, Landesarchäologe von Sachsen-Anhalt. Besonders die jüngsten Forschungen rund um das Ringheiligtum Pömmelte und die Ausgrabungen des monumentalen Grabhügels Bornhöck, dem größten seiner Art in Mitteleuropa, hätten die Ausstellung grundlegend neu gestaltet.
Ein herausragendes Exponat ist das „Triptychon der Familienbestattungen von Eulau“, das ein einzigartiges Gewaltereignis und gleichzeitig familiäre Bindungen vor über 4.500 Jahren dokumentiert. Die Ausstellung beleuchtet auch die Entwicklung von der Schnurkeramik- und Glockenbecherkultur hin zur Aunjetitzer Kultur, die den Übergang zur Bronzezeit in Mitteldeutschland prägte.
Ein weiterer Höhepunkt ist der erweiterte Bereich zur Himmelsscheibe von Nebra, der nun neue Erkenntnisse zur Herstellung und den Fernkontakten der damaligen Gesellschaft bietet. Die Handelsverbindungen der Bronzezeit reichten von den Britischen Inseln bis in den vorderen Orient, wie beispielsweise der Bernsteinhandel belegt.
Erstmals sind auch Funde aus der größten bekannten Siedlung der Frühbronzezeit in Mitteleuropa, dem Ringheiligtum Pömmelte, dauerhaft ausgestellt. Weitere bedeutende Exponate wie Objekte aus Schiepzig, einem Rinderschlacht- und -verwertungsplatz, werfen ein neues Licht auf die wirtschaftlichen und rituellen Grundlagen der frühen bronzezeitlichen Gesellschaft.
„Archäologie ist politisch: und die Bronzezeit war keine schöne Zeit“
Harald Meller betonte, wie wichtig es sei, aus den Erkenntnissen der Archäologie zu lernen. Er hob den Unterschied zwischen Geschichte und Archäologie hervor: Während die Geschichte die Erzählung der Mächtigen sei, untersuche die Archäologie Fakten auf Basis objektiver Belege und menschlicher Hinterlassenschaften. Meller sprach einen seiner zentralen Lehrsätze an: „Autoritäre Strukturen sind keineswegs Teil der menschlichen Natur. Über 99 % der Menschheitsgeschichte, als der Homo sapiens noch in kleinen Gruppen die Welt als Jäger durchstreifte, gab es keine Reiche, keine übermächtigen Herrscher, keine Oligarchen.“ Erst in der Bronzezeit begannen Machtstrukturen zu entstehen, die auf Militär und ungleicher Verteilung des Eigentums basierten. „Diese Strukturen wirken bis heute nach“, betonte Meller und blickte dabei über den großen Teich. „Es ist erschreckend, wie immer wieder Menschen bereit sind, merkwürdigen Autoritäten zu folgen und ihr Lebensglück für sie zu opfern.“
Schauer und Liptak: Gestaltung und Forschung Hand in Hand
Karol Schauer, der seit über 25 Jahren als freischaffender Gestalter für das Landesmuseum tätig ist, hat gemeinsam mit dem Fotografen Juraj Liptak das „Gesicht“ der Ausstellungen maßgeblich geprägt. Schauer ist nicht nur für den überwiegenden Teil der Gemälde und Grafiken verantwortlich, die die Vorgeschichte anschaulich erläutern, sondern auch als Forscher aktiv. Viele Erkenntnisse zu vorgeschichtlichen Bauten und zur Tierwelt des Paläolithikums, mit denen er sich hervorragend auskennt, gehen auf seine Forschungen zurück.
„Es war mir eine Ehre, diesen Bereich der Ausstellung zu gestalten“, sagte Schauer während seiner ersten und wohl letzten Ansprache an das Publikum. Dabei bedankte er sich für den regen Zuspruch der letzten Jahre und die Möglichkeit, seine Arbeiten mit den Besuchern zu teilen. Die Verbindung von künstlerischer Gestaltung und wissenschaftlicher Forschung habe die Ausstellung in einer einzigartigen Weise bereichert, so Schauer weiter.
Die Ausstellung ist ab sofort für die Öffentlichkeit zugänglich und zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie wissenschaftliche Forschungen und archäologische Funde die Geschichte der Bronzezeit in Mitteldeutschland in einem neuen Licht erscheinen lassen.