Trotz eines leichten Rückgangs der Zahl angemeldeter Prostituierter in Sachsen-Anhalt bleibt Halle auch im Jahr 2024 die Stadt mit den meisten offiziellen Anmeldungen im Land. Das geht aus einer aktuellen Veröffentlichung des Statistischen Landesamts hervor. Zum Jahresende waren 132 Prostituierte in der Saalestadt nach dem Prostituiertenschutzgesetz (ProstSchG) registriert – mehr als in jeder anderen Stadt oder Gemeinde des Bundeslands.
Insgesamt waren landesweit 377 Prostituierte bei den zuständigen Behörden gemeldet – zehn weniger als im Vorjahr. Dieser Rückgang steht im Gegensatz zum Bundestrend: Deutschlandweit stieg die Zahl der registrierten Prostituierten im Vergleich zu 2023 um 5,3 Prozent auf 32.254. Halle trotzt damit nicht nur dem Landesrückgang, sondern bestätigt erneut ihre Stellung als Zentrum der offiziell gemeldeten Sexarbeit in Sachsen-Anhalt.
Auffällig ist dabei die Konzentration in den beiden größten Städten: Während Magdeburg mit 110 Personen auf Platz zwei folgt, verzeichnet die Landeshauptstadt zugleich 31 von landesweit 62 genehmigten Prostitutionsgewerben – die Hälfte aller erlaubnispflichtigen Betriebe des Landes. In Halle ist die Zahl der Gewerbegenehmigungen geringer, dennoch ist die Zahl der dort gemeldeten Prostituierten am höchsten.
Jung, mobil, international
Die Struktur der in Halle und landesweit gemeldeten Prostituierten zeichnet ein deutliches demografisches Bild: 77 Prozent aller registrierten Personen in Sachsen-Anhalt waren zwischen 21 und 44 Jahre alt. Der Großteil, nämlich 87 Prozent, verfügte über keine deutsche Staatsangehörigkeit. Die am häufigsten vertretenen Herkunftsländer waren Rumänien (98 Personen), Ungarn (86) und Bulgarien (51). Damit spiegelt Sachsen-Anhalt eine europäische Mobilitätsdynamik wider, in der Frauen aus südosteuropäischen Ländern oft im Rahmen wirtschaftlicher Migration in der Sexarbeit tätig werden.
Halle zwischen Statistik und Realität
Die Zahlen aus Halle lassen auf ein hohes Maß an gesetzlich regulierter Prostitution schließen. Was sie nicht zeigen, ist die unsichtbare Seite der Branche: Denn die Statistik erfasst nur jene, die sich auf Grundlage des ProstSchG anmelden und ihre Tätigkeit damit in einen legalen Rahmen stellen. Über nicht gemeldete Tätigkeiten oder illegale Gewerbe gibt die Statistik keine Auskunft. Auch das Geschlecht der angemeldeten Personen wird nicht erfasst – gesetzlich ist diese Angabe bei der Anmeldung nicht vorgesehen.
Die statistische Erhebung zum Prostituiertenschutzgesetz wird seit 2017 durchgeführt und soll laut Landesamt zu mehr Transparenz und Kontrolle beitragen. Gleichwohl mahnen Fachstellen und Beratungsangebote regelmäßig an, dass viele Prostituierte den behördlichen Weg scheuen – sei es aus Angst vor Stigmatisierung, Unsicherheit in der aufenthaltsrechtlichen Situation oder strukturellen Barrieren.
Halle bleibt im Fokus
Mit Blick auf die kommenden Jahre stellt sich für Halle (Saale) somit nicht nur die Frage nach der Regulierung, sondern auch nach der sozialen Einbettung der Sexarbeit. Die Stadt mit der höchsten Zahl gemeldeter Prostituierter in Sachsen-Anhalt steht in einer besonderen Verantwortung – sowohl hinsichtlich präventiver Maßnahmen gegen Ausbeutung als auch in Bezug auf Gesundheitsversorgung und soziale Beratung.