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Hafenstraße 7 in Halle: Späte Sanierung eines Denkmals mit belasteter Vorgeschichte

Mit der Ankündigung einer umfassenden Sanierung der Hafenstraße 7 setzt die Hallesche Wohnungsgesellschaft mbH (HWG) einen vorläufigen Schlusspunkt unter einen seit Jahren schwelenden Konflikt um eines der kulturgeschichtlich bedeutendsten Areale der Stadt. Während das kommunale Wohnungsunternehmen nun eine nachhaltige und denkmalgerechte Nutzung in Aussicht stellt, verweisen Kritiker auf eine lange Phase des Leerstands, auf Substanzverluste und auf Versäumnisse der Eigentümerin.

Die Hafenstraße 7 ist Teil des historischen Gaswerksensembles an der Saline. Das Areal geht auf das Jahr 1856 zurück, als hier die erste städtische Gasanstalt Halles in Betrieb genommen wurde. In den Jahren 2016 bis 2018 erlangte das Gebäude bundesweite Aufmerksamkeit, nachdem Aktivistinnen und Aktivisten es besetzten und als soziales Zentrum unter dem Namen „HaSi“ nutzten. Nach dem Ende einer befristeten Nutzungsvereinbarung verließen sie das Gelände 2018, nachdem die HWG eine Räumung angekündigt hatte.

Seitdem steht das Gebäude leer. In dieser Zeit kam es zu erheblichen Kontroversen: Fenster und sanitäre Anlagen blieben beschädigt, was nach Darstellung ehemaliger Nutzerinnen zu vermeidbaren Schäden an der denkmalgeschützten Bausubstanz führte. Besonders schwer wiegt der Abriss des sogenannten Kessel- und Reglerhauses, das Teil des geschützten Ensembles war. Die HWG sprach damals von einem „Missverständnis“. Der hallesche Arbeitskreis Innenstadt (AKI) erstattete Anzeige. Die Staatsanwaltschaft stufte den Abriss später als Ordnungswidrigkeit ein; vorsätzliches Handeln oder individuelle Schuld konnten jedoch nicht nachgewiesen werden. Nach Angaben des AKI wurde gegen die HWG ein Bußgeld wegen fahrlässigen Verstoßes gegen das Denkmalschutzgesetz verhängt.

Vor diesem Hintergrund stieß die Ankündigung der HWG im Jahr 2023, das Gelände verkaufen zu wollen, auf scharfe Kritik. Ehemalige Nutzerinnen der „HaSi“ sowie Denkmalschützer warfen dem Unternehmen vor, das Objekt über Jahre vernachlässigt und dadurch einen Wertverlust begünstigt zu haben. Ein von der HWG gemeinsam mit der Stadt initiiertes Interessenbekundungsverfahren zum Verkauf wurde vorzeitig beendet, da keiner der Bewerber die geforderten Kriterien erfüllte.

Nun folgt ein Kurswechsel. In einer aktuellen Pressemitteilung erklärt die HWG, einen Bauantrag für die Sanierung der Hafenstraße 7 eingereicht zu haben. Ab Juni 2026 sollen die Arbeiten beginnen, die Fertigstellung ist für Mitte 2027 geplant. Auf rund 400 Quadratmetern Nutzfläche sind künftig Gewerbeflächen vorgesehen. Die Planung sieht neben der denkmalgerechten Instandsetzung auch ökologische Maßnahmen vor, darunter eine Photovoltaikanlage, eine Luft-Wärme-Pumpe, Regenwassernutzung sowie weitgehend entsiegelte Außenflächen. Ein Großteil des rund 8.000 Quadratmeter großen Gesamtareals soll als Biotop erhalten bleiben.

HWG-Geschäftsführerin Simone Danz spricht von einem ausgewogenen Konzept, das Denkmalschutz, Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Nutzung verbinde. „Das Gebäude soll endlich wieder sichtbar und nutzbar werden“, erklärt sie. Die Entscheidung sei Ergebnis eines mehrjährigen Prüfprozesses, in dem auch andere Entwicklungsoptionen erwogen worden seien.

Ob die angekündigte Sanierung geeignet ist, das verlorene Vertrauen wiederherzustellen, bleibt offen. Kritische Stimmen verweisen darauf, dass der jetzige Schritt erst nach Jahren des Stillstands und nach erheblichem öffentlichen Druck erfolgt. Zugleich markiert die Planung erstmals seit Langem eine konkrete Perspektive für ein Baudenkmal, dessen Bedeutung über das Gebäude selbst hinausgeht: als Zeugnis der Industriegeschichte, aber auch als Symbol für den Umgang der Stadt mit konfliktreichen Orten zwischen Denkmalschutz, Stadtentwicklung und zivilgesellschaftlichem Engagement.

Die kommenden Monate dürften zeigen, ob aus der Ankündigung tatsächlich ein nachhaltiger Neuanfang wird – oder ob die Hafenstraße 7 weiterhin ein Mahnmal für vertane Zeit bleibt.

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