Der umweltpolitische Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion Sachsen-Anhalt, Wolfgang Aldag, kritisiert die Forderung des Bauernbundes, das Wolfskompetenzzentrum Iden (WZI) abzuschaffen. Nach seiner Auffassung würde eine Auflösung der Einrichtung nicht den Umgang mit Wölfen verbessern, sondern vor allem Weidetierhalterinnen und Weidetierhalter schwächen.
Hintergrund der Debatte ist ein Vorfall im Landkreis Wittenberg. Dort wurde im April ein Tier erlegt, für dessen Abschuss nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums keine Genehmigung vorlag. Laut Antwort auf eine Kleine Anfrage Aldags handelte es sich zudem nicht um den Wolf, der zuvor als Verursacher von Nutztierrissen in Betracht gezogen worden war.
„Wer das Wolfskompetenzzentrum zerschlagen will, trifft nicht den Wolf, sondern die Höfe“, erklärte Aldag. Sachsen-Anhalt brauche nach dem Vorfall in Wittenberg nicht weniger, sondern mehr Fachlichkeit, Rechtssicherheit und Unterstützung für die Tierhalter vor Ort.
Das WZI übernimmt nach Darstellung der Grünen zentrale Aufgaben wie die Begutachtung von Nutztierrissen, die Beratung zum Herdenschutz und die Koordinierung des Wolfsmonitorings. Eine Abschaffung der Einrichtung würde daher keine Bürokratie abbauen, sondern wichtige Orientierung für Landwirte und Behörden beseitigen.
Der Fall Wittenberg zeige nach Ansicht Aldags, wie wichtig belastbare Daten und klare Verfahren seien. Ein fehlerhafter Abschuss könne das Vertrauen von Tierhaltern und Jägerschaft in den Umgang mit dem Wolf beeinträchtigen. Die Konsequenz daraus müsse eine Verbesserung der Strukturen sein, nicht deren Abbau.
Das Wolfskompetenzzentrum sei ein wichtiger Bestandteil des Wolfsmanagements in Sachsen-Anhalt. Neben wissenschaftlichen Aufgaben fließen auch Hinweise aus dem Ehrenamt, unter anderem vom Freundeskreis freilebender Wölfe, in die Beobachtung der Wolfspopulation ein.
Aldag betonte zugleich, dass der Wolf weiterhin dem gesetzlichen Schutz unterliege. Abschüsse müssten auf nachvollziehbaren Nachweisen beruhen und rechtssicher erfolgen. Eine Strategie, bei der Tiere ohne eindeutige Zuordnung getötet würden, sei weder mit Landwirtschaft noch Naturschutz und Rechtsstaatlichkeit vereinbar.
Für Weidetierhalter fordert Aldag vor allem praktische Unterstützung: schnellere Ansprechpartner, bessere Beratung beim Herdenschutz und eine leistungsfähigere Struktur des Wolfskompetenzzentrums. „Wer die Höfe schützen will, stärkt Fachlichkeit. Wer nur Schlagzeilen jagt, lässt den ländlichen Raum allein“, so der Grünen-Politiker.
Quelle: Pressemitteilung Wolfgang Aldag, Bündnis 90/Die Grünen, Landtagsfraktion Sachsen-Anhalt, Juli 2026.