Nach der bislang stärksten Hitzewelle in Sachsen-Anhalt mit Temperaturen von über 40 Grad haben die Auswirkungen auf Gesundheit, Infrastruktur und Natur eine politische Debatte über besseren Hitzeschutz ausgelöst. Mehrere Tage extremer Hitze führten zu Belastungen in der Bevölkerung, zu Schäden an Straßen und Infrastruktur, zu Waldbränden im Harz und im Raum Stendal sowie zu Einschränkungen im öffentlichen Leben.
Nach Einschätzung der Bündnis 90/Die Grünen ist die Klimakrise damit endgültig im Alltag angekommen. „Jedes Zehntel Grad Erwärmung erhöht das Risiko für Hitzewellen, Dürren und andere Extremwetterereignisse“, heißt es in dem Programm. Hitze sei nicht nur ein gesundheitliches, sondern auch ein soziales Problem, da besonders ältere Menschen, Kinder, Schwangere, Vorerkrankte sowie Menschen mit geringem Einkommen betroffen seien.
Die Partei verweist zudem auf wissenschaftliche Befunde: Hitze gilt demnach als größtes klimawandelbedingtes Gesundheitsrisiko in Deutschland. Studien zeigten, dass sich hitzebedingte Todesfälle deutlich senken ließen, wenn Städte stärker begrünt und verschattet würden.
Kernpunkte des Sieben-Punkte-Plans
Im Mittelpunkt des Konzepts steht zunächst ein verbindlicher Kurs beim Klimaschutz. Gefordert wird ein Landesklimaschutzgesetz mit dem Ziel der Klimaneutralität bis 2035 sowie ein verbindlicher Maßnahmenplan für alle Sektoren. Zudem sollen Maßnahmen mit doppeltem Nutzen für Klima- und Hitzeschutz stärker gefördert werden, etwa Solaranlagen mit Verschattungseffekt, Wärmepumpen mit Kühlfunktion sowie mehr Stadtgrün und Waldentwicklung.
Ein zweiter Schwerpunkt ist der soziale Hitzeschutz. Besonders gefährdete Gruppen sollen besser geschützt werden, etwa durch Sonnenschutz in Kitas und Schulen, verpflichtende Hitzeschutzkonzepte in Pflegeeinrichtungen sowie Förderprogramme zur energetischen Sanierung sozialer Wohnungen. Auch kommunale Schutzkonzepte für vulnerable Gruppen während Hitzewellen sollen verbindlich werden.
Für öffentliche Gebäude fordert der Plan verbindliche Standards beim Neubau und bei Sanierungen. Einrichtungen wie Kitas, Krankenhäuser und Pflegeheime sollen frühzeitig auf extreme Temperaturen vorbereitet werden, um Hitzebelastungen dauerhaft zu reduzieren.
Kommunen im Mittelpunkt
Ein weiterer zentraler Baustein betrifft die Finanzierung: Die Grünen verlangen eine stärkere Zusammenarbeit von Bund, Ländern und Kommunen. Vorgeschlagen wird unter anderem eine Gemeinschaftsaufgabe für Klimaanpassung im Grundgesetz, zusätzliche Bundesmittel in Milliardenhöhe sowie die Finanzierung von Klimaanpassungsstellen in allen Kommunen.
Zudem soll ein Landeszentrum für Klimafolgen und Klimaanpassung eingerichtet werden, das Wissen bündelt und Kommunen unterstützt. Erfolgreiche Maßnahmen sollen schneller verbreitet werden.
Mehr Grün gegen Hitze
Besonderes Gewicht legt das Programm auf Stadtentwicklung: Ein umfassendes Entsiegelungs- und Begrünungsprogramm soll Betonflächen reduzieren und mehr Grünräume schaffen. Dazu gehören der Schutz von Parks, die Förderung von Dach- und Fassadenbegrünung, neue Wasser- und Verdunstungsflächen sowie Trinkwasserspender im öffentlichen Raum. Grünflächen gelten dabei als „wirksamste Klimaanlage“ in Städten.
Auch der Schutz der Wasserressourcen spielt eine Rolle. Die Partei fordert strengere Regeln für Wasserentnahme, besseren Schutz von Trinkwassereinzugsgebieten sowie die Verringerung von Schadstoffeinträgen.
Die Grünen betonen abschließend, dass Hitzeschutz keine Zukunftsaufgabe mehr sei, sondern unmittelbare Gegenwartspolitik. Vorsorge sei nicht nur wirksamer, sondern langfristig auch günstiger als die Bewältigung der Schäden durch immer häufigere Extremwetterlagen.