Magdeburg. In einer hitzigen Debatte im Landtag von Sachsen-Anhalt hat die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen die Landesregierung aufgefordert, endlich eine klare Strategie für die Ansiedlung nachhaltiger Rechenzentren zu entwickeln. Angesichts der rapiden Zunahme der Nachfrage nach digitalen Speicher- und Rechenkapazitäten sowie der steigenden Zahl von Anfragen für neue Rechenzentren, insbesondere in Sachsen-Anhalt, sehen die Grünen dringenden Handlungsbedarf.
Olaf Meister, der finanzpolitische Sprecher der Grünen, stellte klar, dass Rechenzentren längst nicht mehr nur „harmlosen Datenlagern“ ähneln, sondern vielmehr die „Herzschrittmacher der digitalen Welt“ seien. Ohne sie gebe es keine Digitalisierung – von Onlinebanking über Klimamodellierungen bis hin zu Anwendungen der künstlichen Intelligenz. Doch der Betrieb dieser Zentren stelle auch eine enorme Herausforderung dar, vor allem in Bezug auf den Verbrauch von Strom, Wasser und Fläche.
„Wer glaubt, Rechenzentren seien nur bloße Datenspeicher, irrt. Sie sind enorm ressourcenintensiv“, erklärte Meister und mahnte die Landesregierung zur Entwicklung eines klaren Rahmens für nachhaltige Ansiedlungsstrategien. „Ohne Steuerung drohen Wildwuchs, Ressourcenverschwendung und ein wachsender Akzeptanzverlust in der Bevölkerung“, so Meister weiter.
Ein konkretes Beispiel für die ungenutzten Potenziale ist das Netzgebiet des regionalen Energieversorgers enviaM, der bereits über 60 Standortanfragen für Rechenzentren erhalten hat. Meister kritisierte die bisherige Untätigkeit der Landesregierung und verwies darauf, dass der Begriff „Rechenzentrum“ im Koalitionsvertrag lediglich einmal vorkomme, ohne eine dahinterstehende Strategie.
Die Grünen fordern nun eine Landesstrategie, die nachhaltige Kriterien verbindlich macht. Darunter fällt die Nutzung erneuerbarer Energien für die Stromversorgung, die Verwendung von Abwärme zur Beheizung, Regenwasserkühlung anstelle des Einsatzes von Trinkwasser sowie zügige, ökologische Genehmigungsverfahren. „Wir brauchen Ansiedlungen, die auf langfristige Nachhaltigkeit setzen und sowohl die Wirtschaft als auch die Umwelt berücksichtigen“, so Meister.
Sachsen-Anhalt habe aus Sicht der Grünen beste Voraussetzungen, um als Standort für nachhaltige Rechenzentren zu glänzen. Mit reichlich Windkraft, leistungsfähigen Stromnetzen, großen verfügbaren Flächen und einer zentralen Lage in Deutschland könne das Land eine Schlüsselrolle in der digitalen Transformation einnehmen. „Wenn Rechenzentren künftig vollständig mit grünem Strom betrieben werden müssen, ist Sachsen-Anhalt der logische Hotspot – nicht der blinde Fleck der Digitalisierung“, betonte Meister.
Neben der nachhaltigen Ausrichtung forderte Meister auch mehr Transparenz und klare Beteiligungsprozesse bei der Ansiedlung von Rechenzentren. Besonders in Gemeinden wie Querfurt, wo derzeit noch Skepsis gegenüber solchen Projekten herrscht, sei es entscheidend, die Bevölkerung frühzeitig einzubeziehen und transparente Verfahren zu etablieren. Meister brachte das Beispiel der Wärmewende ins Spiel: „Rechenzentren müssen nicht die heimliche Konkurrenz um Grundwasser darstellen, sie können als Partner in der Energiewende und der Nutzung von Abwärme eine zentrale Rolle spielen.“
Abschließend appellierte Meister an die Weitsicht und den Gestaltungswillen der Landesregierung. „Wer die Digitalisierung ernst nimmt, muss auch die Infrastruktur dafür nachhaltig und zukunftsorientiert denken. Jetzt ist der Moment, in dem Sachsen-Anhalt vom Abstellgleis der Digitalisierung auf die Hauptstrecke wechseln kann.“
2 comments on “Grüne fordern nachhaltige Strategie für Rechenzentren in Sachsen-Anhalt”
Bloß weg hier, die regulieren noch den letzten Investor aus dem Land.
Die sind gar nicht an der Regierung. Aber B2WL schiebt trotzdem Panik. (Und den Text hat er nicht gelesen/verstanden. Die Überschrift reicht schon, um Reflexe auszulösen).