Die Gleise durch Sachsen-Anhalt tragen seit jeher die Spuren dichter Verbindungen zwischen Städten, Dörfern und Lebenswegen. Doch die aktuelle Auswertung eines Mobilitätsanbieters zeichnet ein anderes Bild: Zwischen dem 22. April und dem 21. Mai 2026 waren 19,9 Prozent der Regionalzüge mehr als sechs Minuten verspätet. Damit zählt das Land nach vorliegenden Daten zu den besonders belasteten Regionen im ostdeutschen Schienenverkehr.
Die Fraktionsvorsitzende und verkehrspolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, Cornelia Lüddemann, sieht darin ein deutliches Warnsignal. Wer Menschen dauerhaft für die Bahn gewinnen wolle, so ihre Einschätzung, müsse ihnen Verlässlichkeit bieten – nicht als Ausnahme, sondern als stilles Versprechen des Alltags. Gerade in einem Flächenland, in dem Züge oft nur in größeren Zeitabständen verkehren, wiege jede Störung schwer: verpasste Anschlüsse, verlängerte Wege, verlorene Zeit.
Im Vergleich zu Nachbarregionen zeigt sich eine deutliche Spannbreite: Während Sachsen mit einer höheren Pünktlichkeitsquote aufwartet, bleibt Sachsen-Anhalt hinter den Erwartungen zurück. Für Pendlerinnen und Pendler bedeutet dies nicht selten Wartezeiten von einer Stunde oder mehr, wenn Anschlüsse entfallen oder Züge ausfallen.
Die Grünen führen die Probleme vor allem auf eine überlastete und vielerorts sanierungsbedürftige Infrastruktur zurück. Gleise, Weichen und Stellwerke seien, so die Kritik, zu oft Relikte einer vergangenen Epoche, die den heutigen Anforderungen kaum noch standhalten. Gefordert wird daher eine umfassende Infrastrukturoffensive: Elektrifizierung weiterer Strecken, der Ausbau auf Zweigleisigkeit sowie höhere zulässige Geschwindigkeiten auf zentralen Achsen.
Auch Bund, Land und Deutsche Bahn stünden in der Pflicht, Investitionen zu bündeln, Engpässe zu beseitigen und Baustellen besser zu koordinieren. Der Schienenpersonennahverkehr dürfe im System der Netzsteuerung nicht länger nachrangig behandelt werden, sondern müsse als Rückgrat der regionalen Mobilität gelten.
So bleibt das Bild einer Bahn, die zwischen Anspruch und Wirklichkeit pendelt – und einer Region, die auf verlässliche Verbindungen wartet, wie auf einen Takt, der wieder ins Gleichmaß findet.