Die Grippesaison hat in Sachsen-Anhalt in diesem Jahr ungewöhnlich früh begonnen und verzeichnet deutlich höhere Fallzahlen als noch im Vorjahr. Wie der MDR unter Berufung auf Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) berichtet, wurden in den vergangenen zwei Wochen landesweit 588 laborbestätigte Influenza-Fälle gemeldet. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es lediglich 81. Damit liegt Sachsen-Anhalt klar über dem Bundesdurchschnitt: In der ersten Dezemberwoche war die Zahl der Fälle hier etwa dreimal so hoch wie im gesamten Bundesgebiet.
Zwar sind akute Atemwegserkrankungen deutschlandweit zuletzt leicht angestiegen und bewegen sich insgesamt auf einem hohen, aber saisonal nicht ungewöhnlichen Niveau, doch die Dynamik in Sachsen-Anhalt fällt besonders auf. Schwer verlaufende Erkrankungen bleiben nach Angaben des RKI bislang selten. Das Landesamt für Verbraucherschutz betont zugleich, dass die Zahl der Arztbesuche insgesamt noch im moderaten, für die Jahreszeit typischen Bereich liege.
Neben der Grippe sind auch die Corona-Infektionen im Land vergleichsweise hoch. In den vergangenen zwei Wochen wurden 1.327 Infektionen registriert. Zwar steigt die Zahl langsamer als bei der Influenza, doch bezogen auf die Bevölkerungszahl liegt Sachsen-Anhalt auch hier über dem bundesweiten Schnitt. Zusätzlich melden Umweltbehörden eine zunehmende Viruslast in Kläranlagen unter anderem in Halle, Magdeburg und Dessau.
Mediziner raten dennoch zu Besonnenheit und Vorsorge. Hausarzt Burkhard John aus Schönebeck erklärt gegenüber dem MDR, die Praxen seien in den Herbst- und Wintermonaten auf eine hohe Zahl von Grippepatienten eingestellt. Er empfiehlt weiterhin die Grippe- und Corona-Impfung. Die aktuellen Impfstoffe basieren auf WHO-Empfehlungen und decken mehrere Virustypen ab, um vor allem schwere Krankheitsverläufe zu verhindern. Zwar bereitet eine mutierte Variante des Grippevirus H3N2, die sogenannte „Subklade K“, Fachleuten Sorgen, doch auch hier gelte: Die Impfung biete einen wichtigen Schutz vor schweren Verläufen.
Auch Apotheken im Land berichten von einer steigenden Nachfrage nach Erkältungsmedikamenten. Jens-Andreas Münch, Präsident der Apothekerkammer Sachsen-Anhalt, rät dazu, die Hausapotheke rechtzeitig vor den Feiertagen zu überprüfen. Schmerz- und Fiebermittel, Nasensprays und Hustenpräparate sollten vorhanden sein; zugleich könne die Apotheke beraten, wann ärztliche Hilfe notwendig ist.
Besonders häufig suchen derzeit Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren wegen Atemwegserkrankungen ärztliche Hilfe. Trotz des frühen Starts der Grippewelle empfehlen Fachleute insbesondere Risikogruppen weiterhin dringend eine Schutzimpfung.
Quelle: MDR Sachsen-Anhalt