Aufgewachsen in Trotha, kann ich mich noch gut an die Motorengeräusche in meiner Kindheit jenseits der Saale erinnern. In den 1950er und 1960er Jahren war die Halle-Saale-Schleife (HSS) am Rande der Peißnitz (Gimritzer Damm) eine beliebte Motorrenn-Strecke, die stets Tausende Besucher in ihren Bann zog. Sie wurde bald zur Tradition und gehörte dann über viele Jahre zu den am intensivsten genutzten Rennstrecken der DDR.
In der beliebten und gefragten Reihe der „Mitteldeutschen Kulturhistorischen Hefte“ des Hasenverlags beleuchtet der Autor und Motorsportbegeisterte Harald Täger, der schon zahlreiche Bücher zum Motorsport veröffentlicht hat, die spannende Geschichte der halleschen Rennstrecke. Zunächst gibt er einen kurzen Überblick über den Neubeginn des Motorsports in Deutschland nach 1945, wobei die materiellen Voraussetzungen fast überall sehr schlecht waren. Im Februar 1950 gründete sich dann die Motorsportgemeinschaft (MSG) Halle und bald war die Idee von einer Rennstrecke geboren. Bereits im März wurde der „Erste Spatenstich“ vollzogen. Damals oft in schwerer Handarbeit mit Schippe und Schubkarren. Darüber hinaus wurden kaputte Autos und Motorräder gefunden, die wieder flottgemacht wurden. Das erste Rennen fand dann bereits vom 22.-25. Juni 1950 statt.
Jedes Jahr wurden dann die internationalen Rennen auf der HSS in den nationalen Meisterschaftskalender aufgenommen. Die Resonanz war so groß, dass in einigen Jahren sogar zwei Rennveranstaltungen durchgeführt wurden. Täger gibt dazu eine Übersicht aller Veranstaltungen, dazu eine Liste der Fahrzeuge von damals sowie der bekanntesten Rennfahrer und Sieger auf der HSS. Namen wie Paul Greifzu, Klaus Enderlein oder Heinz Melkus werden sicher älteren Hallensern noch in Erinnerung sein.
Täger berichtet aber auch über die provisorischen Fahrerlager, den Besucherservice oder die bescheidenen Pressemöglichkeiten. Anfangs wurden sogar Straßenbahnwagen für die Rennleitung genutzt. Am 23. April 1967 fand dann das letzte Rennen auf der HSS statt. Das Ende. War der Bau von Halle-Neustadt in unmittelbarer Nähe der Grund oder weil Motorsport keine olympische Disziplin war? 2010 gab es noch einmal einen Versuch mit dem German-Road-Racing GmbH Motorradrennen.
Die Neuerscheinung mit der interessanten Thematik punktet außerdem mit einer reichen Illustration mit historischen Abbildungen – z.B. von den spektakulären Motorradgespannrennen. Ein beachtenswerter Beitrag zur mitteldeutschen Regionalgeschichte. Großen Dank an den Hasenverlag !
Harald Täger: „Benzin im Blut – Die Halle-Saale-Schleife – Geschichte einer Rennstrecke“, Hasenverlag Halle/Saale 2025, Heft 53 der „Mitteldeutschen kulturhistorischen Hefte“, 20,00 €, 100 S., ISBN 978-3-945377-76-5

One comment on “Geschichte der Halle-Saale-Schleife”
Zu der jüngeren Geschichte habe ich noch ein Bild gefunden: https://i.ibb.co/mVdKZMpJ/2015-271639-agf.jpg (2015)
Das war eine „Gegendemo“ zu der von Wiegand inszenierten Pro-Deich-Demo. Es trafen jedenfalls alle Bekloppten, die man in Ha-Neu finden konnte, aufeinander, man bot sich gegenseitig Prügel an.
An das „Rennen“ selbst, das muss so um 2010 gewesen sein, erinnere ich mich auch. Damals war Wiegand Innendezernent, der wusste aber nichts von der Veranstaltung, die offenbar von der OB Szabados persönlich genehmigt worden war. Den Dezernenten wollten die Securities nicht einmal ins Fahrerlager lassen, weil er sich nicht ausweisen konnte. Im Fahrerlager traf man unter anderem auf Treibstoff-Fässer, aus denen das Zeug auf den unversiegelten Boden und damit ins Grundwasser tropfte und Schlimmeres mehr….