Im Landtagswahlkampf in Sachsen-Anhalt haben Übergriffe und Behinderungen von Journalisten nach Angaben der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) deutlich zugenommen. Seit Anfang Mai registrierte die zur Gewerkschaft ver.di gehörende Organisation mehr als 30 Vorfälle im Zusammenhang mit Veranstaltungen der AfD. Betroffen seien mindestens 47 Journalistinnen und Journalisten, Medienteams sowie politische Influencer.
Allein in den vergangenen drei Wochen, der heißen Phase des Wahlkampfs, habe es 25 Vorfälle gegeben. Die Bandbreite reiche von verbalen Diffamierungen und Behinderungen der Arbeit über Nachstellungen bis hin zu körperlichen Angriffen. Nach Angaben der dju gingen die Eskalationen zu einem wesentlichen Teil von rechten oder rechtsextremen Streamern und Medienaktivisten im Umfeld von AfD-Veranstaltungen aus.
„Damit ist die Lage so brisant wie im gesamten vergangenen Jahr nicht“, sagte Lucas Munzke von der dju. Zum Vergleich: Reporter ohne Grenzen registrierte für Sachsen-Anhalt im gesamten Jahr 2025 fünf Fälle von Angriffen auf Medienschaffende.
Die Linke in Sachsen-Anhalt verurteilte die Vorfälle. David Schliesing, Obmann der Linksfraktion im Ausschuss für Kultur und Medien, bezeichnete die zunehmenden Angriffe als „Alarmsignal“ und forderte strafrechtliche Konsequenzen sowie einen besseren Schutz der Presse.
Schliesing sieht insbesondere die AfD in der Verantwortung. Die Häufung der Vorfälle im Umfeld von AfD-Veranstaltungen zeige, dass es sich nicht um eine normale politische Auseinandersetzung handele. Er forderte vom Innenministerium eine lückenlose und unabhängige Aufklärung sowie eine verbindliche Umsetzung der Verhaltensgrundsätze für Polizei und Medien.
Zudem müsse sich die Bundesregierung nach Ansicht Schliesings für bundesweit einheitliche Schutzstandards einsetzen. Angriffe auf Medienvertreter sollten systematisch erfasst und unabhängige Beratungs-, Melde- und Schutzangebote dauerhaft finanziert werden.