In Halle-Neustadt planen mehrere Kultur- und Raumnutzungsinitiativen den Erwerb und die Umnutzung eines ehemaligen Behördenareals zu einem Zentrum für kreatives Arbeiten, Veranstaltungen und soziales Miteinander. Träger des Vorhabens soll eine gemeinnützige Genossenschaft werden, deren öffentliche Gründung für den 27. September 2025 angekündigt ist. Bereits am 15. August laden die Initiatorinnen und Initiatoren zu einem Nachbarschaftstreffen an der Ecke Gimritzer Damm / Selkestraße ein.
Kauf ehemaliger Stasi-Zentrale geplant
Konkret geht es um das Gelände der ehemaligen Bezirksverwaltung des Ministeriums für Staatssicherheit und des früheren Finanzamts in Halle-Neustadt. Die Fläche umfasst laut Angaben der Projektgruppe rund 20.000 Quadratmeter Bruttogrundfläche. Nach dem Erwerb, der für 2026 vorgesehen ist, sollen dort Ateliers, Werkstätten, Proberäume, Veranstaltungsräume, ein sogenanntes Social Innovation Lab sowie Orte für Bildung, Gesundheit und soziale Initiativen entstehen.
Das Grundstück gehört derzeit dem Land Sachsen-Anhalt. Um die nötigen Eigenmittel für den Ankauf bereitstellen zu können, wird die Gründung einer gemeinnützigen Genossenschaft vorbereitet. Geplant ist, dass sich Einzelpersonen ebenso wie Organisationen durch Anteile beteiligen können. Ein Geschäftsanteil beträgt laut Satzung 200 Euro; mindestens zwei Anteile sind für den Beitritt erforderlich.
Engagement aus der halleschen Kulturszene
Die Initiative geht unter anderem von Personen aus dem Umfeld des Peißnitzhaus e.V. aus, der bereits seit vielen Jahren ein denkmalgeschütztes Gebäude auf der Peißnitzinsel kulturell nutzt. Auch Vertreterinnen und Vertreter der Wohnunion Halle, des Vereins Los Machen, des Freiraumbüros Halle, der Passage 13 und der Goldenen Rose sind an der Projektvorbereitung beteiligt. Künftige Nutzer wie Line-up Bühnenproduktion e.V., das Theaterhaus Ost und der Verein Helle Kammer – Raum für Fotografie sollen ebenfalls eingebunden werden.
Unklar ist bislang, in welchem Verhältnis die neue „Gemeinschaftsamt gemeinnützige eG“ zum bestehenden Verein Peißnitzhaus e.V. steht. In der Satzung wird der Verein nicht als Träger oder Mutterorganisation genannt. Die Genossenschaft scheint formell eigenständig organisiert zu sein, dürfte aber personelle und ideelle Überschneidungen mit bestehenden Projekten aufweisen.
Öffentliche Einladung zum Austausch
Am Freitag, dem 15. August 2025, soll ein erstes öffentliches Nachbarschaftstreffen vor dem künftigen Standort stattfinden. Interessierte können sich zwischen 15 und 18 Uhr über die Pläne informieren, ihre Ideen einbringen und mit den Organisierenden ins Gespräch kommen. Um 15:30 Uhr ist eine Führung zur Geschichte der ehemaligen Stasi-Zentrale mit einem Mitarbeiter des Stasi-Unterlagen-Archivs Halle vorgesehen.
Die offizielle Gründung der Genossenschaft ist für den 27. September 2025 um 16 Uhr geplant. Der genaue Ort soll noch bekannt gegeben werden. Die Genossenschaft verfolgt laut Satzung ausschließlich gemeinnützige Zwecke und strebt keine Gewinnerzielung an. Jedes Mitglied soll unabhängig von der Anzahl der erworbenen Anteile eine Stimme erhalten. Im Falle eines Austritts werden die Einlagen zurückgezahlt.
Stadtteilentwicklung durch Kultur und Teilhabe
Das Projekt versteht sich als Beitrag zur Entwicklung von Halle-Neustadt, einem Stadtteil mit vergleichsweise hoher Armutsquote und großer struktureller Diversität. Gleichzeitig liegt das Areal in räumlicher Nähe zum Weinberg Campus, dem Heidecampus und der Kunsthochschule Burg Giebichenstein. Die Initiatoren hoffen, dass durch die Ansiedlung kultureller Akteure auch neue Verbindungen zwischen Stadtteilen und Milieus entstehen.
INFO:
Nachbarschaftstreffen
Freitag, 15. August 2025, 15–18 Uhr
Ort: Ecke Gimritzer Damm / Selkestraße
Mit Führung durch das Stasi-Unterlagen-Archiv Halle um 15:30 Uhr
Gründungsversammlung Gemeinschaftsamt eG
Samstag, 27. September 2025, 16 Uhr
(Ort wird noch bekannt gegeben)