Chemnitz/Halle. Der rechtsextreme Aktivist Sven Liebich wird seine rechtskräftige Freiheitsstrafe in einer Justizvollzugsanstalt für Männer verbüßen. Dies entschied die Leitung der Justizvollzugsanstalt nach seiner Auslieferung aus Tschechien und einer Aufnahmeuntersuchung. Zunächst war Liebich aufgrund seines geänderten Geschlechtseintrags in das Frauengefängnis Chemnitz gebracht worden.
Nach Angaben des sächsischen Justizministeriums wurde Liebich noch am Tag seiner Ankunft in die Justizvollzugsanstalt Zeithain verlegt. Die Entscheidung sei nach einem persönlichen Gespräch sowie einer Untersuchung getroffen worden. Dabei seien unter anderem Sicherheitsaspekte und der Schutz der weiblichen Gefangenen berücksichtigt worden.
Sachsens Justizministerin Constanze Geiert (CDU) begrüßte die Entscheidung. Die Justizvollzugsanstalt habe rasch Klarheit geschaffen und sich nicht auf Inszenierungen eingelassen, erklärte sie.
Liebich war im Juli 2023 vom Amtsgericht Halle wegen Volksverhetzung, übler Nachrede und Beleidigung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten ohne Bewährung verurteilt worden. Der Haftantritt war ursprünglich für August 2025 vorgesehen. Stattdessen entzog sich Liebich der Strafvollstreckung und wurde im April 2026 an der deutsch-tschechischen Grenze festgenommen.
Bereits 2025 hatte Liebich seinen Geschlechtseintrag von männlich auf weiblich sowie seinen Vornamen in Marla Svenja ändern lassen. Aufgrund dieses Eintrags war zunächst die Einweisung in die Frauenhaft vorgesehen. Nach Angaben des Saalekreises läuft weiterhin ein gerichtliches Verfahren zur Berichtigung des Personenstandseintrags.
Vor dem Auslieferungsverfahren in Pilsen hatte Liebich erklärt, eine Unterbringung in einem Männergefängnis zu fürchten. Die tschechische Justiz genehmigte dennoch die Auslieferung nach Deutschland.
Liebich organisierte seit 2014 regelmäßig rechtsextreme Demonstrationen in Halle (Saale) und wurde wiederholt strafrechtlich verfolgt. Das Urteil des Amtsgerichts Halle ist rechtskräftig.