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Fotografien treffen auf literarische Schauplätze

„Es geht seinen (sozialistischen) Gang“ war eine geläufige Redewendung in der DDR, um den oft schwerfälligen Alltag kritisch und ironisch zu beschreiben.

In der mdv-Neuerscheinung werfen zwei Künstler einen Blick auf den Leipziger Alltag vor fast einem halben Jahrhundert. Der eine – Erich Loest – schildert die Stadt mit den Mitteln des Schriftstellers, der andere – Bertram Kober – mit den Augen eines Fotografen. Der überwiegende Teil der Bilder stammt aus der ersten Hälfte der achtziger Jahre, in denen Kober die Streetphotography für sich entdeckte. So experimentierte der junge Fotograf  mit verschiedenen Kameras und durchstreifte damit seine Heimatstadt. Vor allem den historischen Kern, den Wilhelm-Leuschner-Platz, hielt er immer wieder im Bild fest. Seine Aufmerksamkeit galt dabei dem Alltagsleben, mitunter mit skurrilen Details.

Erich Loests Roman „Es geht seinen Gang oder Mühen in unserer Ebene“, der fast zeitgleich im Frühjahr 1978 in beiden deutschen Staaten (mdv und DVA) erschien, gilt als eine der genauesten literarischen Schilderungen des Alltags in der DDR Mitte/Ende der siebziger Jahre. Zahlreiche Textauszüge aus diesem Roman begleiten die Schwarz-Weiß-Fotos und unterstreichen ihre Wirkung. Ergänzt wird die Neuerscheinung (zum 100. Geburtstag von Erich Loest) noch durch zwei Textbeiträge von Philipp Freytag und Sabine Brandt.

Bertram Kober / Erich Loest: „Es geht seinen Gang – Fotografien 1977-1990“, Mitteldeutscher Verlag Halle 2026, 28,00 €, 120 S., ISBN 978-3-68948-108-7

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