Angesichts steigender Preise für fossile Energieträger fordert die Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen in Sachsen-Anhalt ein entschlossenes Vorantreiben der Energiewende. Mit dem Antrag „Gegen Bremspolitik und Desinformation, Energiewende entschlossen voranbringen“ setzt sich die Fraktion dafür ein, den Ausbau erneuerbarer Energien zu beschleunigen und die Abhängigkeit von Öl und Gas weiter zu reduzieren.
Hintergrund sind erneut anziehende Preise auf den internationalen Energiemärkten. Nach Auffassung der Grünen zeigt sich darin einmal mehr die Verwundbarkeit einer Energiepolitik, die weiterhin stark auf fossile Rohstoffe setzt. Wer an Öl und Gas festhalte, importiere zugleich wirtschaftliche Risiken, Preisschocks und politische Abhängigkeiten.
Kritik richtet sich dabei auch an die Bundesregierung. Diese habe zuletzt energiepolitische Signale gesetzt, die als Bremse für die Energiewende verstanden werden könnten. Für Menschen und Unternehmen in Sachsen-Anhalt sei jedoch Planungssicherheit entscheidend, betont die Fraktion.
Der energiepolitische Sprecher der Landtagsfraktion, Sebastian Striegel, unterstreicht die strategische Bedeutung erneuerbarer Energien. Sie seien nicht nur ein Instrument des Klimaschutzes, sondern auch ein Baustein wirtschaftlicher und politischer Unabhängigkeit. „Erneuerbare Energien sind Freiheitsenergien. Sie machen uns unabhängiger von autoritären Staaten und ihren Preisschwankungen“, erklärte Striegel.
Sachsen-Anhalt gilt seit Jahren als ein bedeutender Standort der Energiewende. Nach Angaben der Grünen hängen im Land bereits mehr als 40.000 Arbeitsplätze direkt oder indirekt mit erneuerbaren Energien zusammen. Die Branche biete Chancen für Industrie, Handwerk und ländliche Regionen gleichermaßen.
Im Landtag besteht grundsätzlich Einigkeit darüber, dass Versorgungssicherheit und bezahlbare Energie oberste Priorität haben. Aus Sicht der Grünen müsse dieser Anspruch jedoch mit konkreten Maßnahmen hinterlegt werden. Dazu gehören ein schnellerer Ausbau von Wind- und Solarenergie, leistungsfähigere Stromnetze sowie zusätzliche Speicherkapazitäten.
Darüber hinaus fordert die Fraktion eine stärkere Förderung von Bürgerenergieprojekten, um die Beteiligung von Kommunen und Bürgerinnen und Bürgern an der Energiewende auszubauen. Auch soziale Aspekte sollen stärker berücksichtigt werden. Vorgeschlagen wird unter anderem ein Landesprogramm gegen Energiearmut.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Fachkräftesicherung. Um die Energiewende dauerhaft tragen zu können, seien mehr Ausbildungs- und Weiterbildungsangebote in technischen Berufen erforderlich.
„Es geht nicht um Ideologie, sondern um Verantwortung“, so Striegel. Sachsen-Anhalt habe die Chance, seine Rolle als Energieland zu festigen – modern, wirtschaftlich stark und klimaneutral.