Halle (Saale) – In der stillen Woche des Erinnerns lädt die Stadt Halle zu bewegenden Begegnungen mit der Vergangenheit ein. Anlässlich des Holocaust-Gedenktages werden im Puschkino neue Dokumentarfilme aus der Reihe „Stolpersteine – Filme gegen das Vergessen“ uraufgeführt. Studierende der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg haben fünf Werke geschaffen, die verborgene Schicksale sichtbar machen und verdrängte Kapitel der Geschichte ans Licht holen.
Die Premiere findet am Montag, 26. Januar 2026, um 17.30 Uhr im Puschkino statt. Im Anschluss an die Filmvorführungen lädt ein Gespräch mit den jungen Filmemacherinnen und Filmemachern zur Reflexion ein. Die Filme widmen sich Themen, die lange im Schatten lagen: der Zwangsprostitution in Konzentrationslagern, antisemitischen Schönheitsbildern, der Verfolgung homosexueller Menschen, Angriffen auf heutige Erinnerungskultur sowie der Suche einer israelischen Tochter nach den Spuren ihres aus Halle stammenden Vaters, der den Holocaust überlebte. Jede Geschichte fügt dem Mosaik des Erinnerns einen weiteren Stein hinzu.
Am Dienstag, 27. Januar, setzt die Stadt Halle gemeinsam mit der Gedenkstätte Roter Ochse und dem Verein Zeit-Geschichte(n) e.V. das Gedenken fort. Am Vormittag wird an den Stolpersteinen in der Leipziger Straße der Familie Wenzymer gedacht, die 1938 aus Halle vertrieben wurde. Anschließend folgt im Stadthaus die Vorführung des Films „Der Weg zurück“. Die Protagonistin Michal Saar Bleiweiß wird persönlich anwesend sein und über die Lebensgeschichte ihres Vaters berichten – ein lebendiges Zeugnis der zweiten Generation.
Am Nachmittag werden im Puschkino erneut alle fünf neuen Filme gezeigt. Die Veranstaltungen laden dazu ein, innezuhalten, zuzuhören und die Verantwortung für das Erinnern weiterzutragen – so, wie es seit Jahrzehnten in Halle gepflegt wird: beharrlich, würdevoll und dem Vergessen trotzend.