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Eine Liebe in Briefen – Melissa Müller stellt neues Buch in Halle vor

Für Nanette Blitz war es eine Zufallsbegegnung, für John F. Konig Liebe auf den ersten Blick: London, 1951. Doch John stand kurz vor der Auswanderung nach Brasilien. Was als flüchtiger Moment begann, wurde zum Beginn einer außergewöhnlichen Liebesgeschichte, festgehalten in Hunderten von Briefen. Die Wiener Autorin und Biografin Melissa Müller hat diesen Briefwechsel aufgearbeitet und nun in einem neuen Buch veröffentlicht – ein Werk über die rettende Kraft der Liebe.

Melissa Müller ist dem halleschen Publikum nicht unbekannt. Gemeinsam mit dem hier gut bekannten Reinhard Piechocki veröffentlichte sie 2011 die Biografie Alice Herz-Sommer – Ein Garten Eden in der Hölle. Ihre Werke Das Mädchen Anne Frank und Bis zur letzten Stunde fanden internationale Beachtung, letzteres diente als Vorlage für den Film Der Untergang.

Für die Recherche zu ihrem aktuellen Buch ist Müller derzeit häufig in Halle zu Gast – und wird Mit dir steht die Welt nicht still freundlicherweise in einer öffentlichen Veranstaltung vorstellen. Eingeladen haben der Zeit-Geschichte(n) e.V. und die Stadtbibliothek Halle.

In einem Interview mit dem Diogenes Verlag erläutert Melissa Müller die Hintergründe des Buches. Nanette Blitz hatte sie zunächst als Zeitzeugin für ihre Anne-Frank-Biografie kontaktiert – denn Nanette war mit Anne Frank zur Schule gegangen. Später, vermittelt durch deren älteste Tochter, lernte sie Nanette und John persönlich kennen. Es sei ein zögerliches, über Jahre wachsendes Vertrauen gewesen, erzählt Müller. Schließlich übergab John ihr den umfassenden Briefwechsel – rund 500 handgeschriebene Seiten voller Annäherung, Zweifel, Hoffnung und Humor.

Die Briefe geben einen bewegenden Einblick in das Innenleben zweier junger Menschen, die ihre Familien im Holocaust verloren hatten und tastend wieder ins Leben fanden. Sie dokumentieren nicht nur eine Liebesgeschichte, sondern auch die Lebenswirklichkeit der frühen 1950er-Jahre in Europa und Südamerika.

Müller betont, wie stark sich Nanettes Erinnerungen in Fragmenten und Rückblenden zeigten – ein Aspekt, den sie auch in der Struktur des Buches berücksichtigt hat. Die Briefe, ursprünglich nie zur Veröffentlichung gedacht, bleiben in ihrer Unverstelltheit erhalten. Johns leiser Humor und erzählerisches Talent bilden dabei einen Kontrast zu Nanettes von der Vergangenheit geprägter Zurückhaltung.

Auch die drei Kinder von Nanette und John kamen zu Wort. In Gesprächen wurde deutlich, wie sehr das Schweigen der Eltern über ihre Vergangenheit das Familienleben prägte – und wie viel Kraft es kostete, Verletzungen zu benennen und in Liebe zu verwandeln.

Melissa Müllers Mit dir steht die Welt nicht still ist kein historischer Bericht im klassischen Sinne, sondern eine feinfühlige Doppelbiografie – ein Zeugnis dafür, wie Liebe das Schweigen durchbrechen und zur Versöhnung führen kann.

Veranstaltungshinweis:
Donnerstag, 26. Juni 2025, 17 Uhr
Stadtbibliothek am Hallmarkt
Eintritt frei
Eine Veranstaltung des Zeit-Geschichte(n) e.V. gemeinsam mit der Stadtbibliothek Halle.

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