Bildung im Vorübergehen: Sein Name ist manchen vertraut, seine Werke prägen den Stadtraum – doch wer war Geyer? Diese Frage soll künftig nicht unbeantwortet bleiben: Im Gerhard-Geyer-Weg in Halle-Neustadt werden nun Erläuterungsschilder aufgestellt, die an Leben und Werk des Bildhauers und Grafikers erinnern. Die feierliche Enthüllung findet am Freitag, dem 27. Juni 2025, um 11:30 Uhr an der Ecke Gerhard-Geyer-Weg / Ernst-Barlach-Ring statt. Die Bürgerstiftung Halle lädt zu einem Presse- und Fototermin ein. Gestiftet wurden die Schilder von Bürgermeister Egbert Geier.
Gerhard Geyer (1907–1989), geboren in Halle als Sohn eines Handwerkers, schlug früh einen eigenen Weg ein: Gegen den Willen des Vaters wurde er Plakatmaler in Leipzig, bevor er von 1930 bis 1933 Bildhauerei bei Gustav Weidanz an der Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein studierte. Seitdem wirkte er als freischaffender Künstler, dessen Arbeiten schon zu Lebzeiten öffentliche Anerkennung fanden. Nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem er als Soldat diente, wurde Geyer zu einem der profiliertesten Bildhauer der DDR. Zahlreiche Einzelausstellungen im In- und Ausland, Studienreisen unter anderem nach Bulgarien, Rumänien, Ghana und Guinea sowie bedeutende Aufträge im öffentlichen Raum machten ihn weithin bekannt.
Seine Werke zeichnen sich durch eine klare, oft lyrische Formensprache aus, die das sozialistische Menschenbild zum Ausdruck bringt – ohne Pathos, mit großer handwerklicher Disziplin. In Halle erinnern mehrere Kunstwerke an den Künstler: Der „Wissenschaftler-Würfel“ in Halle-Neustadt, der Persönlichkeiten wie Georg Cantor und Friedrich August Wolf zeigt, ist ebenso sein Werk wie die Bronzeplastik zu Ehren von Matthias Grünewald an der Mühlpforte. Auch der „Kleine Trompeter“, einst am Volkspark aufgestellt, stammte aus seiner Werkstatt.
Das Projekt „Bildung im Vorübergehen“, im Jahr 2008 von der Bürgerstiftung Halle ins Leben gerufen, will mit solchen Schildern das historische Gedächtnis der Stadt lebendig halten. Über 300 hallesche Straßen sind nach Persönlichkeiten benannt – doch viele Bürgerinnen und Bürger wissen kaum etwas über die Namensgeber. Etwa 60 dieser Straßen haben direkten Bezug zur Stadtgeschichte. „Unsere Idee ist, im Alltag Bildung zu ermöglichen – beiläufig und nachhaltig“, erklärt die Bürgerstiftung. Unterstützt wird das Projekt vom Fachbereich Kultur, dem Stadtarchiv und dem Straßen- und Tiefbauamt Halle.
Wer selbst eine Schilderpatenschaft übernehmen möchte – etwa, weil er mit einem Straßennamen persönliche Erinnerungen verbindet – kann sich an die Bürgerstiftung wenden.