Das Bruttoinlandsprodukt, umfassendster Ausdruck für die volkswirtschaftliche Gesamtleistung einer Region, erhöhte sich in Sachsen-Anhalt 2019 gegen über dem Vorjahr preisbereinigt um 0,2 %. Damit erreichte Sachsen-Anhalt das 6. Jahr in Folge ein positives Wirtschaftswachstum. In Deutschland sowie in den Neuen Bundesländern ohne Berlin wuchs das Bruttoinlandsprodukt im gleichen Zeitraum um 0,6 %.
Nominal, d. h. unter Einbeziehung der Preisentwicklung, wies
Sachsen-Anhalt ein Bruttoinlandsprodukt von 63,5 Mrd. EUR aus, was
einer Erhöhung um 2,9 % gegenüber dem Vorjahr entsprach.
Deutschland und die neuen Bundesländer ohne Berlin verzeichneten
Zunahmen von 2,7 bzw. 3,1 %. An der Gesamtwirtschaft Deutschlands
hatte Sachsen-Anhalt im Jahr 2019 einen Anteil von 1,8 %.
Der Beitrag der einzelnen Wirtschaftsbereiche zur positiven
preisbereinigten Wirt-schaftsentwicklung in Sachsen-Anhalt war im
vergangenen Jahr unterschiedlich.
Das Baugewerbe erreichte einen Wertschöpfungszuwachs von 6,2 %,
der deutlich über dem der neuen Bundesländer ohne Berlin (3,7 %)
und dem bundesdeutschen Durchschnitt (3,9 %) lag. Im
Wirtschaftsbereich Land- und Forstwirtschaft, Fischerei konnte in
Sachsen-Anhalt ein preisbereinigtes Wachstum von 1,0 % gegenüber
dem Vorjahr erzielt werden, das höher als für Deutschland (0,4 %)
aber geringer als in den neuen Bundesländern ohne Berlin (1,9 %)
ausfiel.
Als größter Wirtschaftsbereich in Sachsen-Anhalt erbrachte der
Dienstleistungssektor 2/3 der Wirtschaftsleistung. Hier betrug das
preisbereinigte Wachstum 0,7 % und war damit geringer als im
Bundesdurchschnitt (1,7 %) und in den neuen Bundesländern ohne
Berlin (1,3 %). Viele Teilbereiche des Dienstleistungssektors
erreichten hierbei positive Ergebnisse, blieben jedoch in ihrem
Wachstum hinter der Entwicklung in Deutschland zurück. So erreichte
der Teilbereich Handel, Verkehr, Gastgewerbe ein Wachstum von 1,5
%, welches unter dem bundesdeutschen Durchschnitt (2,4 %) lag. Auch
im Teilbereich Information und Kommunikation musste mit einem
Wachstum von 1,9 % ein Ergebnis unter dem bundesdeutschen
Durchschnitt (2,9 %) ausgewiesen werden. Für den Teilbereich
Öffentliche Dienstleister, Erziehung, Gesundheit, der in
Sachsen-Anhalt einen Anteil von 1/4 an der Gesamtwirtschaft hatte,
wurde mit einer Zunahme von 0,3 % ebenfalls ein positives Ergebnis
ausgewiesen. Dieses lag unter der bundesdeutschen Entwicklung (1,6
%).
Für das Produzierende Gewerbe ohne Baugewerbe mit einem Anteil von
knapp 1/4 an der Gesamtwirtschaft Sachsen-Anhalts musste ein
preisbereinigter Rückgang (-3,4 %) ausgewiesen werden, der im
Rahmen der Ergebnisse für Deutschland (-3,7 %) und für die neuen
Bundesländer ohne Berlin (-3,3 %) lag. Das im Produzierenden
Gewerbe ohne Bau-gewerbe enthaltene Verarbeitende Gewerbe hatte
2019 einen preisbereinigten Rückgang ge-genüber dem Vorjahr um -2,0
%. Deutschland und die neuen Bundesländer ohne Berlin muss-ten hier
ebenfalls Rückgänge (-3,7 bzw. -2,8 %) ausweisen. Hauptursache für
die Verringerung der Wertschöpfung in Sachsen-Anhalts Industrie
waren dabei Umsatzrückgänge. Für die Er-mittlung der
preisbereinigten Ergebnisse wurden zusätzlich die in den Umsätzen
enthaltenen Preissteigerungen nicht berücksichtigt, womit die
Rückgänge weiter verstärkt wurden.
Die Entwicklung der Gesamtwirtschaft war neben den Entwicklungen
der einzelnen Bereiche auch von der Wirtschaftsstruktur, also den
Anteilen dieser Bereiche innerhalb der Gesamtwirt-schaft abhängig.
So verlief in Sachsen-Anhalt im Dienstleistungsbereich die
Entwicklung ge-genüber dem Vorjahr zwar positiv aber schlechter als
in Deutschland und dieser Bereich hatte gleichzeitig in
Sachsen-Anhalt mit 66,1 % einen geringeren Anteil an der
Gesamtwirtschaft als in Deutschland (69,3 %). Damit lieferte der
Dienstleistungsbereich für Sachsen-Anhalt insge-samt einen
geringeren Beitrag zur positiven Wirtschaftsentwicklung als in
Deutschland, so dass für Sachsen-Anhalt der Rückgang aus dem
Produzierenden Gewerbe durch den Dienstleistungsbereich weniger gut
aufgefangen werden konnte als in Deutschland.
Das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigen, die so
genannte Arbeitsproduktivi-tät, wuchs 2019 gegenüber dem Vorjahr in
Sachsen-Anhalt um 0,4 % und erhöhte sich damit im gleichen Maße wie
in den neuen Bundesländern ohne Berlin. In Deutschland musste ein
Rückgang von -0,3 % ausgewiesen werden.
Die Wirtschaftsleistung, das nominale Bruttoinlandsprodukt je
Erwerbstätigen, betrug 2019 in Sachsen-Anhalt 63,2 Tsd. EUR. Der
Zuwachs fiel für Sachsen-Anhalt mit 3,0 % höher aus als in
Deutschland (1,8 %) und in den neuen Bundesländern ohne Berlin (2,9
%). Im Vergleich zum Durchschnitt des Bundes erreichte die
Wirtschaftsleistung in Sachsen-Anhalt 83,3 %, der Abstand zum Bund
hat sich gegenüber dem Vorjahr um einen Prozentpunkt
verringert.
Die vorliegenden Berechnungsergebnisse resultieren aus der
Gemeinschaftsarbeit aller Statistischen Landesämter im Arbeitskreis
„Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder“, dem auch das
Statistische Landesamt Sachsen-Anhalt angehört. Die
Berechnungsergeb-nisse des Jahres 2019 haben vorläufigen Charakter.
Sie wurden auf Grundlage kurzfristig verfügbarer Wirtschaftsdaten
des gesamten Jahres 2019 erstellt.
Und Corona?
Bis Ende des Jahres 2019 war die derzeitige Corona-Pandemie regional auf China begrenzt und hatte keine direkte Auswirkung auf das Wirtschaftsgeschehen in Sachsen-Anhalt. Mögliche indirekte Auswirkungen, z. B. durch Umsatzrückgänge aufgrund von unterbrochenen Lie-ferketten sind durch die Nutzung von Konjunkturstatistiken zur Berechnung der Ergebnisse für 2019 dagegen enthalten. Damit werden neben ersten Ergebnissen für 2019 auch erste detaillierte Ergebnisse der Revision 2019 zur Bruttowertschöpfung nach Wirtschaftsbereichen sowie zur Höhe des regionalen Bruttoinlandsprodukts auf Länderebene vorgestellt. Im Rahmen der VGR-Revision 2019 gab es keine maßgeblichen konzeptionellen Änderungen, vielmehr wurden insbesondere neue Datenquellen, geänderte Bezugs- und Basisdaten und Berechnungsmethoden berücksichtigt. So haben die geänderten Bezugszahlen durch die Revision in der regionalen Erwerbstätigenrechnung Auswirkungen auf die Arbeitnehmerentgeltberechnung, welche wiederum in die Berechnung der Bruttowertschöpfung einfließt. Um Brüche in den Zeitreihen zu vermeiden und den Datennutzern weiterhin methodisch konsistente Zeitreihen zur Verfügung zu stellen, wurden die Ergebnisse bis 1991 zurück neu berechnet. Zudem wurden im Rahmen der Revision 2019 die preisbereinigten Ergebnisse auf das neue Referenzjahr 2015 umgestellt. Die Revisionsergebnisse sind grundsätzlich nur eingeschränkt vergleichbar mit den bisher veröf-fentlichten Daten.

Details zu den Ergebnissen für das Bruttoinlandsprodukt und die
Bruttowertschöpfung nach Wirtschaftsbereichen für Sachsen-Anhalt
können den nachfolgenden Tabellen und der Internetseite des
Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt entnommen werden.
Informatio-en des Arbeitskreises „Volkswirtschaftliche
Gesamtrechnungen der Länder“ zu den Ergebnissen der Bundesländer
sowie zur Revision 2019 in den Volkswirtschaftlichen
Gesamtrechnungen der Länder finden Sie unter www.vgrdl.de.
(Quelle: StaLa LSA)