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Das Jammern wird leiser: leichte Aufhellung im IHK-Konjunkturklima

Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau veröffentlicht Quartalsbericht – positive Signale, aber kein Grund zur Euphorie:

Nach mehr als zwei Jahren wirtschaftlicher Stagnation verzeichnet die Industrie- und Handelskammer (IHK) Halle-Dessau zur Jahresmitte 2025 erstmals wieder spürbare Anzeichen einer Stimmungsverbesserung. Wie aus dem aktuellen Konjunkturbericht hervorgeht, ist der Klimaindikator im zweiten Quartal von 2,1 auf 8,0 Punkte gestiegen – der höchste Wert seit 2021.

IHK-Konjunkturexperte Danny Bieräugel spricht von einer „Hoffnung auf ein Ende der Flaute“. Vor allem der Pessimismus in den Erwartungen habe deutlich nachgelassen. In der Industrie erreichten die Prognosen sogar erstmals seit Anfang 2021 wieder den positiven Bereich. Dennoch warnt Bieräugel vor voreiligen Schlüssen: Angesichts struktureller Wachstumsbremsen und neuer Belastungen – etwa durch Zollkonflikte mit den USA – seien Investitions- und Einstellungsbereitschaft weiterhin gering.

Auch IHK-Hauptgeschäftsführer Prof. Dr. Thomas Brockmeier mahnt zur Zurückhaltung. Die Stimmungsverbesserung sei „noch schwach und stärker von Hoffnung als von realen Verbesserungen getrieben“. Besonders die energie- und klimapolitischen Rahmenbedingungen hätten die Vorleistungsgüterindustrie im Süden Sachsen-Anhalts hart getroffen. Als alarmierendes Beispiel nennt Brockmeier die Stilllegung von Anlagen bei Dow Chemical in Schkopau und Böhlen, die auf die verschlechterte internationale Wettbewerbsfähigkeit zurückzuführen sei.

Branchen im Überblick

  • Industrie: Das Geschäftsklima steigt auf 10,5 Punkte, die Lagebewertung liegt bei +17,9 Punkten. Erstmals seit vier Jahren sind die Erwartungen wieder positiv (+3,0 Punkte). Die Kapazitätsauslastung nimmt zu, Beschäftigung und Investitionen bleiben jedoch stabil auf niedrigem Niveau.
  • Baugewerbe: Deutliche Erholung nach dem Einbruch im Vorquartal. Geschäftsklima 12,1 Punkte, stabile Umsätze und Auftragseingänge. Erwartungen jedoch weiterhin im negativen Saldo.
  • Dienstleistungen: Stabil bei 13,2 Punkten. Leichte Lageverbesserung, aber schwache Gewinnsituation. Rund ein Drittel der Unternehmen plant Preiserhöhungen, getrieben von steigenden Arbeitskosten. Auftragseingänge bei einem Drittel der Betriebe zu gering.
  • Handel: Schwächste Branche mit -15,7 Punkten. Rückläufige Umsätze und Gewinne, keine Verbesserung der Erwartungen.
  • Verkehr: Geschäftsklima auf 11,2 Punkte gestiegen, stabile bis gute Auftragslage. Erwartungshaltung leicht pessimistisch, aber keine Umsatzeinbrüche in Sicht.

Methodik der Erhebung
Die IHK befragt quartalsweise rund 600 Mitgliedsunternehmen aus allen Branchen zu ihrer aktuellen Lage und den Zukunftserwartungen. Die Ergebnisse werden saisonbereinigt, gewichtet und als Indexwerte dargestellt.


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