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Corona-Krise: Arbeitsmarkt bricht in Halle dramatisch ein

Nach 13 Jahren des Aufschwungs steht der Arbeitsmarkt im Agenturbezirk Halle vor schweren Zeiten. Die Kurzarbeit kann Schlimmeres verhindern helfen und den Neustart aus der Krise heraus beschleunigen.


Im Bezirk der Agentur für Arbeit Halle waren Ende April 17.417 Frauen und Männer von Arbeitslosigkeit betroffen. Das sind 1.792 Arbeitslose (+11,5 Prozent) mehr als vor einem Monat. Im Vergleich zum Vorjahr sind gegenwärtig 1.432 Frauen und Männer mehr arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote, bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen, erhöhte sich im zurückliegenden Monat um 0,8 auf 8,1 Prozent. Es ist davon auszugehen, dass sich dieser Trend fortsetzen wird.


Die Coronakrise hinterlässt auch in der Region Halle und dem Saalekreis deutliche Spuren. Das zeigen die Zahlen zur Kurzarbeit. Nur in wenigen Branchen werden händeringend Arbeitskräfte gesucht. „Die Kurzarbeit dient als das wichtigste Arbeitsmarktinstrument zur Corona-Krisenbewältigung. Ob sie auch den Anstieg der Arbeitslosigkeit verhindern kann, werden die nächsten Wochen und Monate zeigen. Kurzarbeit wird nicht vollständig verhindern können, dass es zu Entlassungen kommt. Denn über die Personalkosten hinaus haben viele Firmen weitere Kosten wie Mieten oder Zinsen, die zu einer Einschränkung oder sogar Einstellung des Geschäftsbetriebes führen können. Doch selbst wenn Entlassungen verhindert werden könnten, würde sich zweitens das Problem stellen, dass Arbeitsuchende nur schwer aktuell einen Zugang in den Arbeitsmarkt finden. Der Arbeitsmarkt ist kein festes Gebilde, sondern ständig in Bewegung. Selbst in guten Jahren wie 2019 wurden im Laufe des Jahres zahlreiche Arbeitnehmer arbeitslos – fanden aber auch schnell wieder einen anderen Job. Diese Rückkehr ist zurzeit ungleich schwerer als in der Finanzkrise 2009, weil nahezu alle Branchen betroffen sind und Betriebe aufgrund der Unsicherheit bei Einstellungen Zurückhaltung üben. Die Arbeitslosigkeit wird sich somit allein deshalb aufbauen, weil Arbeitslose schwer Zugang zum Arbeitsmarkt finden,“ so Petra Bratzke, Chefin der Hallenser Arbeitsagentur.


Jugendliche und Ältere

Die Zahl arbeitsloser Jugendlicher stieg im April 2020 um 177 Personen, der relative Anteil Jugendlicher an allen Arbeitslosen bleibt mit 9,6% hoch.

„Auch der Personenkreis der Jugendlichen ist von der Krise betroffen. Wir haben aber auch hier Vorbereitungen getroffen, die Jugendlichen in der jetzigen Situation bei allen Fragen rund um die Suche nach einem Ausbildungsplatz nicht allein zu lassen.  Gerade wenn junge Menschen derzeit nicht in die Schule können und zu Hause sind, empfehlen wir unser Erkundungstool „Check-U“ (ehemals Selbsterkundungstool). Mithilfe dieses Tools können Jugendliche eigene Talente und Interessen erkennen und werden so intuitiv auf mögliche Ausbildungsberufe und Studienfelder hingewiesen. #Zukunftklarmachen Ganz neu geplant sind Live-Sessions über unseren BA-Youtube-Kanal. Diese testen wir ab heute einmal pro Woche für jeweils eine Stunde statt. Wir sammeln Fragen über die SocialMedia-Kanäle; die Jugendlichen können aber auch direkt ihre Fragen stellen. Berufsberater beantworten dann live die Fragen und treten mit den jungen Menschen in Kontakt,“ so Bratzke.

Die Schulen haben derzeit mit dem allmählichen Anlauf des Schulbetriebs zu kämpfen, da wird die persönliche Betreuung durch die Berufsberatung eher nachrangig behandelt. Deshalb beraten die Ausbildungsexperten jetzt halt vorrangig telefonisch und auch per Mail.

Ab Montag dem 04.05.20 wird bis auf Weiteres die Sonderhotline der Berufsberatung der Agentur für Arbeit Halle unter 0345/ 5249 1510 wieder geschaltet sein.   Die Berater sind dann von Mo-Do von 8-16 Uhr und Fr von 8-14 Uhr telefonisch für alle Fragen unserer Jugendlichen und deren Eltern erreichbar.   Unser Onlineangebot Berufsorientierung hat sich in den letzten Wochen bewährt und zu einer echten Alternative entwickelt. Alle Anfragen rund um die Berufswahl bzw. Berufsorientierung können weiterhin auch per Mail unter Halle.151-Berufsberatung-vor-dem-Erwerbsleben@arbeitsagentur.de an die Berufsberater gerichtet werden.

Stellenangebote  

Dem gemeinsamen Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur und des Jobcenters Halle (Saale) wurden diesen Monat nur 410 neue Stellen gemeldet. Das sind 342 weniger als im Vormonat.

„Im Zusammenhang mit den wirtschaftlichen Einschränkungen durch die Corona-Pandemie geht die Arbeitskräftenachfrage massiv zurück. Mit Ausnahme der Landwirtschaft und dem Lebensmittelhandel bzw. Teilen der Logistik sei der Personalbedarf in allen Branchen geringer als im Vorjahr. Besonders von den Regelungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie betroffen sei auch das Gastgewerbe und die Reisebranche“, so Bratzke.

Arbeitslosigkeit in den beiden Rechtskreisen

Der deutliche Anstieg im Bereich der Arbeitslosenversicherung SGB III ist Ausdruck der veränderten Arbeitsmarktlage.  Im Bereich der Arbeitslosenversicherung SGB III waren im April 2020 insgesamt 5.430 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet, 816 mehr als im Vormonat.

In der Grundsicherung SGB II ist die Arbeitslosigkeit im Agenturbezirk von März auf April um 976 Personen auf 11.987 Arbeitslose angestiegen.   Blick in die Geschäftsstellen   Regional bietet sich weiterhin ein differenziertes Bild, was sich aufgrund der Ungleichgewichte zwischen Stadt und Umland festmachen lässt.

In der Stadt Halle stieg die Zahl der arbeitslos gemeldeten Personen auf 10.720, ein Plus von 1.092. Allein im Jobcenter Halle (SGB II) werden 7.600 Personen betreut, was wiederum den überdurchschnittlichen SGB II Anteil von 70,9% erklärt.

Halle überdurchschnittlich von Arbeitslosigkeit betroffen 


Die Arbeitslosenquote der Stadt Halle liegt mit 9,2 Prozent über dem Agenturdurchschnitt (8,1%). Im Saalekreis sind aktuell 6.697 Frauen und Männer in der Statistik gemeldet. Die Arbeitslosenquote lag mit 6,9 Prozent deutlich unter dem Agenturdurchschnitt.  Dies sind 700 Arbeitslose mehr als im Vormonat und 409 mehr als noch vor einem Jahr. Der SGB II-Anteil an der Gesamtzahl der Arbeitslosen betrug mit 4.387 Personen  (+378) zum Vormonat (65,5%).

Die Zahl der Arbeitslosen im Einzugsbereich der Geschäftsstelle Merseburg stieg um 500 Personen bzw. 10,8 Prozent auf 5.147.

Sonderauswertung Kurzarbeitergeld:

Insgesamt geprüfte Anzeigen seit „Corona“ im Agenturbezirk Halle: 3.352                                                                                                

Stadt Halle: 1.892                                                                                                  

Saalekreis: 1.460

In den Anzeigen genannte Personenzahl seit „Corona“  im Agenturbezirk Halle: 37.945                    

Stadt Halle: 16.190                     

Saalekreis: 21.755

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