Leuna. Der Chemiestandort Leuna ist erneut von einer schweren Krise betroffen. Nach der Insolvenz von zwei Teilen des Unternehmensverbunds DOMO wurden die Anlagen im Saalekreis nun in den Notbetrieb versetzt. Dies teilte Insolvenzverwalter Lucas Flöther am 9. Januar 2026 mit. Die Verhandlungen mit den Gläubigern über eine kurzfristige Finanzierung, die als sogenanntes Massedarlehen bezeichnet wird, sind gescheitert, was dazu führt, dass die Produktion heruntergefahren werden muss. Von der Insolvenz betroffen sind rund 500 Beschäftigte an den beiden DOMO-Standorten in Leuna.
Flöther erklärte, dass die Anlagen derzeit sicher heruntergefahren werden, jedoch bleibt die Frage offen, ob sie nach dieser Phase ohne größere Schäden wieder in Betrieb genommen werden können. „Für die Anlagen und den Chemiestandort, aber auch für die Gläubiger wäre das jedenfalls eine Katastrophe“, so der Insolvenzverwalter.
Die Insolvenz und der Notbetrieb der DOMO-Anlagen werfen einen Schatten auf die Zukunft des Chemieparks in Leuna. Politiker reagieren besorgt: Andreas Silbersack, Fraktionschef der FDP im Landtag, bezeichnete die Schließung als „eindeutiges Alarmsignal“ für den Standort. Er fordert von der Bundesregierung eine Kehrtwende in der Klimapolitik und eine Entbürokratisierung, um den Standort langfristig zu sichern. „Wer den Betrieb stilllegt, obwohl finanzielle Unterstützung bereitsteht, sendet ein klares Votum gegen den Standort“, so Silbersack.
Für den FDP-Politiker ist klar, dass die Chemieindustrie in der Region nur überleben kann, wenn der Reformhebel endlich umgelegt wird. Die Branche müsse dringend von staatlich verursachten Kosten entlastet werden, um auf dem internationalen Markt konkurrenzfähig zu bleiben. „Wenn wir die Kosten nicht radikal senken und den Unternehmen mehr Freiheit für Investitionen geben, fahren wir gnadenlos gegen die Wand“, warnt Silbersack.
Die Schließung und der drohende Verlust der DOMO-Anlagen bedeuten nicht nur einen Schlag für die betroffenen 500 Mitarbeiter, sondern auch für die zahlreichen Zulieferunternehmen, die eng mit DOMO zusammenarbeiten. Politische und wirtschaftliche Akteure stehen nun unter Druck, schnell Lösungen zu finden, um den Chemiepark und die damit verbundene Industrie im Mitteldeutschen Chemiedreieck zu stabilisieren.