Magdeburg, April 2026. Bei einer dreitägigen Tagung der Umweltsprecher von CDU und CSU aus Bund und Ländern stand die künftige Rohstoff- und Umweltpolitik im Mittelpunkt. Abschließend wurde die „Magdeburger Erklärung“ verabschiedet, die Leitlinien für Versorgungssicherheit, Industriepolitik und Nachhaltigkeit formuliert.
Rohstoffe als strategische Grundlage
Im Zentrum der Beratungen steht die Bedeutung verschiedener Rohstoffe für die industrielle Produktion und die Energiewende. Genannt werden insbesondere:
- Metallische Rohstoffe wie Kupfer, Nickel, Lithium und Seltene Erden, die für Elektromobilität, Batterien und Digitalisierung als kritisch gelten
- Industriemineralien wie Sand, Kies, Kalkstein und Ton für Bauwirtschaft und Infrastruktur
- Energierohstoffe wie Erdgas (insbesondere im Kontext von Übergangstechnologien und Biogas)
- Sekundärrohstoffe aus Recyclingprozessen, etwa Metalle aus Elektroschrott oder Baustoffrecycling
Die Erklärung betont, dass Deutschland und Europa ihre Abhängigkeit von Importen verringern und heimische Potenziale stärker nutzen sollen – allerdings unter hohen Umweltstandards.
Heimische Gewinnung und „Green Mining“
Die Teilnehmer sprechen sich dafür aus, die Rohstoffgewinnung in Deutschland wieder stärker zu ermöglichen, sofern Umweltauflagen eingehalten werden. Gleichzeitig wird die Entwicklung sogenannter „Green-Mining“-Technologien hervorgehoben, um Bergbau umweltverträglicher zu gestalten.
Auch internationale Abhängigkeiten – etwa bei Seltenen Erden aus geopolitisch sensiblen Regionen – werden als Risiko für Industrie und Versorgungssicherheit bewertet.
Kreislaufwirtschaft als Schwerpunkt
Ein weiterer Schwerpunkt ist die stärkere Nutzung von Sekundärrohstoffen. Diese sollen regulatorisch gleichgestellt werden, um Recycling wirtschaftlich attraktiver zu machen. Dazu gehören:
- Metallrückgewinnung aus Altgeräten und Fahrzeugen
- Baustoffrecycling im Hoch- und Tiefbau
- Chemisches Recycling von Kunststoffen
Ziel ist, Rohstoffe länger im Wirtschaftskreislauf zu halten und Importbedarf zu reduzieren.
Bioökonomie und alternative Rohstoffe
Ergänzend wird die Nutzung nachwachsender Rohstoffe betont. Dazu zählen Holz, landwirtschaftliche Reststoffe und organische Abfälle, die unter anderem für Biogasproduktion genutzt werden sollen. Biogas wird als flexibler Energieträger beschrieben, der künftig stärker ins Energiesystem eingebunden werden soll.
Industriepolitik und Energieversorgung
Für energieintensive Branchen – etwa Chemie, Stahl, Maschinenbau – werden verlässliche Energiepreise, beschleunigte Genehmigungen und Technologieoffenheit gefordert. Rohstoff- und Energiepolitik werden dabei als eng miteinander verknüpft betrachtet.
Strukturwandel und regionale Entwicklung
Der Strukturwandel in ehemaligen Bergbaugebieten wird als langfristige Aufgabe beschrieben. Beispiele sind Regionen wie der mitteldeutsche Revierraum um den Geiseltalsee. Gefordert werden:
- verlässliche Finanzierung von Sanierungsmaßnahmen
- schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren
- stärkere Beteiligung von Kommunen und Bevölkerung
Altlasten und Verantwortung aus der Vergangenheit
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Altlasten aus früherem Bergbau und industrieller Produktion. Diese werden als „Ewigkeitsaufgabe“ beschrieben. Diskutiert wird auch eine mögliche Neuverteilung der Finanzierung zwischen Bund und Ländern.
Entsorgung und Endlager
Für radioaktive Abfälle wird ein wissenschaftsbasiertes und transparentes Standortauswahlverfahren betont. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass Zwischenlager voraussichtlich länger benötigt werden als ursprünglich geplant.
Internationale Rohstoffpolitik
Abschließend wird eine stärkere europäische und globale Zusammenarbeit gefordert. Ziel ist der Aufbau stabiler Lieferketten durch Partnerschaften mit rohstoffreichen Ländern sowie europäische Strategien zur Rohstoffsicherung.