Die Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle hat die Gründung eines unabhängigen Ethikrats angeregt. Das neue Gremium soll sich mit dem Spannungsfeld zwischen Kunstfreiheit, Diskriminierung und medialer Öffentlichkeit auseinandersetzen. Ziel sei es, „Handlungsempfehlungen für den Umgang mit Kunstfreiheit im Kontext gesellschaftlicher und politischer Diskurse zu entwickeln“, so die Hochschule in einer Mitteilung.
Anlass für die Initiative ist die öffentliche Kontroverse um eine studentische Plastik, die im Rahmen der diesjährigen Jahresausstellung gezeigt wurde. In der Folge hatten unter anderem das Bündnis gegen Antisemitismus Halle schwere Vorwürfe gegen die Hochschule erhoben und ihr mangelnde Sensibilität im Umgang mit antisemitischen Symbolen vorgeworfen.
Die Hochschule sieht in der Debatte einen Anlass, sich selbstkritisch mit gesellschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen: „Für die BURG ist das der Grund, die Auseinandersetzung mit Themen wie Antisemitismus, Rassismus, Diskriminierung und gesellschaftlicher Verantwortung öffentlich zu machen.“ Man signalisiere ausdrücklich die Bereitschaft zur kritischen Selbstreflexion „im Dialog mit zivilgesellschaftlichen Partner*innen, unter Einbeziehung unterschiedlicher Perspektiven und auf Basis fundierter, unabhängiger Einschätzungen“.
Der geplante Ethikrat verstehe sich als Instrument für eine „strukturierte, sachliche und nachhaltige Auseinandersetzung mit den Spannungsfeldern zwischen Kunstfreiheit, gesellschaftlicher Wirkung und öffentlicher Kritik“. Diese Auseinandersetzung sei nach Ansicht der Hochschule in einem „Klima kurzfristiger medialer Erregung nicht möglich“.
Als beratendes Gremium könne der Ethikrat die besonderen Herausforderungen an Kunsthochschulen in den Blick nehmen – insbesondere dort, wo Lehre, Forschung, Kunstproduktion und gesellschaftliche Verantwortung zusammentreffen. Vorgesehen ist, dass Akteur*innen aus Kunst, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft im Ethikrat zusammenwirken, um einen konstruktiven öffentlichen Dialog über die Rolle und Wirkung von Kunst zu stärken.
Ob und wann ein solcher Ethikrat konkret ins Leben gerufen wird, blieb zunächst offen. Mit der Initiative setzt die Kunsthochschule jedoch ein sichtbares Zeichen für mehr Differenzierung und Diskursbereitschaft in einer aufgeladenen Debatte.
Foto: Sven Bergelt
One comment on “Burg Giebichenstein plant Ethikrat zu Kunstfreiheit und gesellschaftlicher Verantwortung”
Wozu einen Ethikrat, wenn es doch angeblich kein Problem gibt, und in dem Gipshaufen beim besten Willen kein Schwein zu erkennen ist?