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Brüderstraße 7: Stadt Halle und Eigentümer einigen sich auf Erhalt – Hoffnung für Renaissancehaus

Halle (Saale) – Wende im Fall des bedrohten Baudenkmals in der Brüderstraße 7: Stadtverwaltung und Eigentümer wollen das Fachwerkhaus aus dem 16. Jahrhundert nicht länger dem Abriss preisgeben. Wie die Stadt am heutigen Freitag mitteilte, wurde eine Einigung erzielt, um das Denkmal weitestmöglich zu erhalten und in historischer Form wiederaufzubauen.

Nach wochenlangen Diskussionen, Protesten von Bürgerinitiativen und Warnungen aus Fachkreisen kommt nun Bewegung in den festgefahrenen Konflikt um die ehemalige „Marktwirtschaft“. Das Renaissancehaus war nach einem Teileinsturz angeblich akut einsturzgefährdet, die Stadt hatte einen Teilabriss bis auf das Erdgeschoss verfügt. Dagegen hatte unter anderem der Schwemme e.V. vehement Einspruch erhoben und fachliche Alternativen zum Komplettabriss aufgezeigt.

Ziel: Wiederaufbau nach historischem Vorbild

Nun einigte man sich auf eine neue Perspektive: Das Gebäude soll nicht abgerissen, sondern schrittweise und in enger Abstimmung mit den Denkmalbehörden gesichert und rekonstruiert werden. René Rebenstorf, Beigeordneter für Stadtentwicklung, betont:

„Die Stadt Halle (Saale) wird alle ihr zur Verfügung stehenden rechtlichen Mittel ausschöpfen, um den erhaltungsfähigen Bestand zu retten und einen komplettierenden Wiederaufbau des Hauses nach historischem Vorbild durchzusetzen.“

Auch der Eigentümer, der in den vergangenen Jahren immer wieder in der Kritik stand, will nun Verantwortung übernehmen. Dessen Bauherrenvertreter kündigte an, ein bestehendes Gesamtkonzept weiterzuentwickeln, das auch angrenzende Grundstücke einbezieht – und ausdrücklich die Brüderstraße 7 umfasst.

Geordneter Rückbau mit Bergung historischer Substanz

In einem ersten Schritt soll ein geordneter Rückbau unter strengen Auflagen erfolgen. Dabei sollen tragende und gestalterisch bedeutsame Elemente des Fachwerks, wie historische Balken, Schmuckgiebel und der liegende Sparrenstuhl, möglichst vollständig geborgen und eingelagert werden. Ziel ist, diese später in den Wiederaufbau zu integrieren. Die Arbeiten werden eng mit der Denkmalpflege abgestimmt und begleitet.

Dabei soll auch dem Arbeitsschutz Rechnung getragen werden – ein Punkt, den die Stadt im bisherigen Verfahren immer wieder betonte. Gleichwohl ist mit der neuen Vereinbarung ein abrupter Komplettabriss vom Tisch, wie er noch vergangene Woche drohte.

Schwemme e.V.: Fachliche Argumente haben gewirkt

Die Entwicklung dürfte insbesondere den Schwemme e.V. als späte Bestätigung seiner Kritik verstehen. Noch am vergangenen Donnerstag hatte der Verein der Stadt vorgeworfen, vorschnell den Abriss zuzulassen – und bot gleichzeitig konkrete Hilfe an, um mit Fachleuten des LEHM-BAU-KULTUR-Netzwerks alternative Sicherungsmaßnahmen umzusetzen. Der Verein verwies auf die erfolgreiche Sanierung und Teilrekonstruktion der Schwemme nach dem Brand von 2013 – ein Beleg, dass denkmalgerechter Wiederaufbau nicht nur möglich, sondern wirtschaftlich sinnvoll ist.

Mit dem nun angekündigten Umdenken scheinen diese Hinweise ernst genommen worden zu sein. Dass Stadt und Eigentümer gemeinsam handeln wollen, sei „ein ermutigendes Signal für den Denkmalschutz in Halle“, heißt es aus dem Umfeld der Denkmalinitiativen.

Ein Meilenstein für die Baukultur?

Ob die Umsetzung des geplanten Wiederaufbaus gelingt, bleibt freilich offen. Doch nach Jahren des Verfalls, einem akuten Gefährdungsfall und heftigem öffentlichen Druck ist die neue Einigung ein Hoffnungsschimmer. Sie zeigt, dass historische Substanz nicht als Belastung, sondern als Chance gesehen werden kann – wenn Stadt, Eigentümer und Fachöffentlichkeit kooperieren.

Und vielleicht markiert dieser Wendepunkt nicht nur das Überleben eines einzelnen Hauses, sondern eine Neubewertung hallescher Altbausubstanz insgesamt. Das Haus in der Brüderstraße 7 könnte so zu einem Symbol werden – für Verantwortung, Dialog und den langen Atem der Denkmalpflege.


One comment on “Brüderstraße 7: Stadt Halle und Eigentümer einigen sich auf Erhalt – Hoffnung für Renaissancehaus”

  1. Ist ja alles schön und gut. Aber ab wann wird denn nun rekonstruiert? Wieviel Jahre geht diese Theater vom Eigentümer nun schon?

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