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Brüderstraße 7: Renaissancehaus vor dem Abriss – Denkmaleinsturz oder Skandal mit Ansage?

Ein weiteres Stück der halleschen Altstadt droht zu verschwinden: Das marode Fachwerkhaus in der Brüderstraße 7, eines der letzten Renaissancebauten der Stadt, soll abgerissen werden. Die Nachricht schlägt hohe Wellen – nicht nur unter Denkmalschützern, sondern auch in der Bürgerschaft, die seit Jahren um den Erhalt des Gebäudes kämpft.

Kaum jemand hatte noch Hoffnung, dass das einst stolze Fachwerkhaus aus dem 16. Jahrhundert gerettet werden könne. Und doch kam die Nachricht vom geplanten Komplettabriss für viele wie ein Schock: Innerhalb kürzester Frist, so die Forderung, sollen die oberen Stockwerke weichen. Dabei war das Gebäude trotz seines sichtbaren Verfalls jahrzehntelang als erhaltenswert eingestuft worden – als Denkmal mit Bedeutung für das Stadtbild und die Geschichte Halles.

Eigentümer seit Jahren auf Abrisskurs

Bereits 2013, kurz nach dem Erwerb, stellte der jetzige Eigentümer einen Abrissantrag – und ignorierte dabei ein verbindliches Kaufangebot des Arbeitskreis Innenstadt e.V., der das Haus erhalten wollte. Das Oberverwaltungsgericht Magdeburg lehnte den Antrag im Mai 2015 ab. Eine wirtschaftliche Unzumutbarkeit der Sanierung konnte das Gericht nicht erkennen.

In den folgenden Jahren verfiel das Gebäude zunehmend. Kritiker werfen dem Eigentümer vor, bewusst keine wirksamen Maßnahmen zur Instandhaltung getroffen zu haben. Zwar wurden auf Druck der Stadtverwaltung Notsicherungen angeordnet – doch diese seien, so Stimmen aus der Zivilgesellschaft, unzureichend und zu spät erfolgt.

Einsturzgefahr oder vorgeschobener Vorwand?

Ein Teileinsturz an der Rückseite des Hauses hat nun die Debatte erneut entfacht. Zwar sei der Schaden sichtbar, jedoch keineswegs strukturell für das gesamte Gebäude bedrohlich, betonen Denkmalschützer. Die Rede ist von einem Schaden von rund 20 Prozent – der nun als Begründung für den Abriss von 100 Prozent der Fachwerkgeschosse dienen soll.

„Ein Abbruch bis auf das Erdgeschoss ließe nur ein klägliches Rudiment des stattlichen Renaissancebaus übrig“, kritisieren die Vorstände des Arbeitskreis Innenstadt, Henryk Löhr, Christian Hartwig und Marcel Naumann. Der geplante Abriss sei in dieser Eile nicht nachvollziehbar. „Eine gründliche Prüfung kann in der kurzen Zeit kaum erfolgt sein.“


Stadt sieht akute Gefährdung – Eigentümer träge bei Sicherungspflichten

Laut Stadtsprecher Drago Bock ist der Teilabbruch unumgänglich, da die Standsicherheit einzelner Gebäudeteile nicht mehr gegeben sei und eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit bestehe. Grundlage sei ein aktueller Prüfbericht zur Stabilität des Hauses. Besonders betroffen sei der Dach- und Traufbereich über der Nordwand. Trotz mehrfacher Aufforderung seien dort notwendige Sicherungsmaßnahmen unterblieben – ein Versäumnis, das womöglich zum jetzigen Schadensfall beitrug

Verantwortung statt Rückzug

Auch die Sperrmaßnahmen vor Ort werfen Fragen auf: Während an der Rückseite Bauschutt in Netzen aufgefangen werde, mutet die weiträumige Absperrung der Straßenecke unverhältnismäßig an. Misstrauen gegenüber der Stadtverwaltung und ihrer Rolle wächst – zu oft sei man dem Eigentümer entgegengekommen, so der Vorwurf.

Die Initiative appelliert nun eindringlich an Stadt und Eigentümer:

„Wir fordern alle Verantwortlichen auf, dieses straßenbildprägende Denkmal nicht preiszugeben!
Wir fordern die Stadtverwaltung auf, nicht dem augenscheinlichen Willen des Eigentümers zu folgen!
Wir fordern den Eigentümer auf, sich endlich seiner Verantwortung zum Umgang mit diesem Denkmal zu stellen – oder es in versierte Hände zu übergeben!“

Ob dieser Aufruf das historische Bauwerk noch retten kann, ist offen. Sicher ist nur: Mit dem möglichen Verlust der Brüderstraße 7 stünde Halle um ein Renaissancezeugnis ärmer da – und um eine Mahnung reicher, was geschieht, wenn Denkmalschutz auf Gleichgültigkeit trifft.


Hintergrund: Das Haus Brüderstraße 7 stammt aus der Zeit der Renaissance und zählt zu den wenigen erhaltenen Fachwerkhäusern dieser Epoche in Halle. Es steht unter Denkmalschutz. Seit Jahren engagieren sich Bürgerinitiativen für den Erhalt – bislang ohne durchschlagenden Erfolg.

One comment on “Brüderstraße 7: Renaissancehaus vor dem Abriss – Denkmaleinsturz oder Skandal mit Ansage?”

  1. Ich fordere von OB Vogt ein klares Bekenntnis zur Marktwirtschaft.

    Und wieder einmal zeigt sich die Stadt Halle alls willfähriger Helfershelfer privatwirtschaftlicher Denkmalzerstörer. Die Brüderstraße 7 ist nur vorläufig das letzte Beispiel.

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