Die durch Zecken übertragene Lyme-Borreliose breitet sich in Mitteldeutschland spürbar stärker aus als in den Vorjahren. Wie aktuelle Zahlen zeigen, wurden in diesem Jahr bereits 1.295 Infektionen registriert – deutlich mehr als in den Vergleichszeiträumen der letzten neun Jahre. Besonders betroffen ist Sachsen-Anhalt, wo mit bislang 486 Fällen ein neuer Höchststand erreicht wurde.
Borreliose wird durch Bakterien der Gattung Borrelia übertragen. Eine Schutzimpfung gibt es bislang nicht. Das Landesamt für Verbraucherschutz (LAV) weist darauf hin, dass frühe Anzeichen wie die sogenannte Wanderröte – ein sich ringförmig ausbreitender Hautausschlag – ernst genommen werden sollten. Eine frühzeitige Behandlung mit Antibiotika, etwa Doxycyclin oder Amoxicillin, führe in der Regel zu vollständiger Genesung.
Wird die Infektion jedoch nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, können sich die Erreger im Körper ausbreiten – mit teils schwerwiegenden Folgen. Monate oder gar Jahre nach dem Zeckenstich können sogenannte Spätmanifestationen auftreten. Dazu gehören Gelenkentzündungen, chronische Schmerzen, Entzündungen des Nervensystems (Neuroborreliose) oder Herzrhythmusstörungen. In manchen Fällen entwickeln sich bleibende Schäden, etwa an Nerven oder Gelenken. Die Symptome sind oft unspezifisch und erschweren eine spätere Diagnose.
Zecken leben vor allem dort, wo es grün und feucht ist: im Wald, in Gebüschen, im hohen Gras oder im Unterholz. Doch viele unterschätzen das Risiko in Alltagssituationen – die kleinen Parasiten können auch im Stadtpark, im Schrebergarten und sogar auf dem Fußballplatz vorkommen. Besonders aktiv sind sie an warmen, feuchten Sommertagen, denn Zecken lieben Feuchtigkeit und bevorzugen Regentage.
Besonders hoch ist die Inzidenz derzeit in den Landkreisen rund um Magdeburg – darunter Jerichower Land, Börde und Salzlandkreis. In Sachsen und Thüringen sind die Zahlen ebenfalls gestiegen, wenngleich dort die Inzidenzen meist niedriger ausfallen.
Als Gründe für den Anstieg nennt das LAV unter anderem bessere Diagnostik, erhöhte Aufmerksamkeit – aber auch den Klimawandel: Milde Winter und feuchte Sommer begünstigen die Aktivität der Zecken, die somit länger infektiös bleiben. Schon ab zweistelligen Temperaturen werden die Tiere aktiv, Regen fördert zusätzlich ihre Verbreitung.
Im Gegensatz zur Borreliose bleibt die FSME – eine weitere durch Zecken übertragene Krankheit – in der Region bislang selten. Hier dominieren nach wie vor Süddeutschland die Fallzahlen.
Das LAV empfiehlt zur Vorbeugung helle, geschlossene Kleidung, Insektenschutzmittel und gründliches Absuchen nach Aufenthalten im Grünen. Wird eine Zecke entdeckt, sollte sie möglichst vollständig und ohne Hausmittel wie Öl oder Klebstoff entfernt werden. Die Einstichstelle sollte anschließend desinfiziert und beobachtet werden.