Sachsen-Anhalts Bildungsministerin Eva Feußner (CDU) hat die im Sportunterricht angebotenen Skikompaktkurse abgeschafft. Wie die Mitteldeutsche Zeitung in ihrer Mittwochausgabe unter Berufung auf einen Ministeriumssprecher berichtet, sind alle Schulleiter angewiesen, Buchungen für die Wintersportkurse ab sofort einzustellen. Die Skikompaktkurse, die bisher von Sportlehrern organisiert und als Teil des Unterrichts angeboten wurden, gehören damit der Vergangenheit an.
Das Bildungsministerium begründet den Schritt mit finanziellen, personellen und organisatorischen Herausforderungen. Im vergangenen Jahr seien rund 200.000 Euro für Reisekosten von Lehrkräften ausgegeben worden, die künftig für andere Zwecke wie die Abordnung von Lehrkräften oder die Qualifizierung von Seiteneinsteigern verwendet werden sollen. Ein weiterer Grund sei der Wunsch, soziale Ausgrenzung zu vermeiden: Die hohen Kosten für Eltern erschwerten die Teilnahme vieler Kinder an den Skikursen. Zudem stehe der Skisport zunehmend im Widerspruch zu einer nachhaltigen Bildungs- und Schulentwicklung, da er mit hohem Ressourcenverbrauch verbunden sei, insbesondere durch die Anreise ins europäische Ausland, heißt es aus dem Ministerium.
Die Entscheidung stößt insbesondere in der eigenen Partei auf scharfe Kritik. Carsten Borchert, schul- und sportpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, bezeichnete die Abschaffung als „indiskutabel“. Er könne nicht nachvollziehen, warum sich die Ministerin in die Unterrichtsgestaltung der Sportlehrer einmische. „Sie demotiviert damit diejenigen Lehrkräfte, die freiwillig mehr leisten“, so Borchert. Er fordert eine Rücknahme des Verbots.
Auch die Junge Union Sachsen-Anhalt übt deutliche Kritik. Für den Landesvorsitzenden Nico Elsner sind Skikompaktkurse „pädagogisch wertvolle Lernräume“, deren Abschaffung nur Symptombekämpfung auf dem Rücken der Schülerinnen und Schüler bedeute. Die JU verweist darauf, dass der anhaltende Unterrichtsausfall und Personalmangel strukturelle Probleme seien, die nicht durch Streichung außerschulischer Angebote gelöst werden könnten. „Wer aus dem Personalmangel folgert, nun auch noch außerschulische Lernangebote zu verbieten, zeigt, wie orientierungslos die Bildungspolitik im Land geworden ist“, erklärt Elsner.
Die Junge Union fordert eine umfassende Reform des Bildungssystems in Sachsen-Anhalt mit mehr Verlässlichkeit, besserer Ausstattung, gezielter Lehrkräftegewinnung und mehr pädagogischer Freiheit für Schulen. Auch die Eigenverantwortung der Schulen solle gestärkt werden. „Ob und wie Skikurse durchgeführt werden, muss im Zusammenspiel mit Eltern, Schülern und Lehrkräften entschieden werden – nicht durch pauschale Verbote aus dem Ministerium“, sagt Elsner.
Die Skikompaktkurse seien für viele Jugendliche aus Sachsen-Anhalt der erste Kontakt mit Wintersportarten und eine wichtige Ergänzung zum regulären Sportunterricht. Sie förderten nicht nur körperliche Aktivität, sondern auch den Umweltbezug und soziale Kompetenzen. Die Junge Union teilt zwar das Anliegen der Chancengleichheit, hält Verbote aber für den falschen Weg. Stattdessen müssten Fördermodelle entwickelt werden, um sozial benachteiligten Familien die Teilnahme zu ermöglichen.
Auch das Nachhaltigkeitsargument bewertet die JU kritisch. Eine Klassenfahrt im Reisebus sei kein Klimakiller, sondern ein wichtiger Bestandteil ganzheitlichen Lernens. Abschließend fordert die Junge Union Bildungsministerin Feußner auf, das Verbot zurückzunehmen und den Schulen ihren pädagogischen Handlungsspielraum zu lassen.