Die Preise für Benzin und Diesel sind in vielen europäischen Staaten gestiegen. Besonders stark fiel der jüngste Anstieg jedoch in Deutschland aus. Analysen zeigen, dass neben den internationalen Rohölpreisen vor allem die Struktur des Kraftstoffmarktes eine Rolle spielt.
Deutlich stärkerer Anstieg als in Nachbarländern
Nach Auswertungen der Europäischen Kommission legten die Benzinpreise in Deutschland innerhalb weniger Wochen deutlich stärker zu als in vielen anderen EU-Staaten. Während der Anstieg hierzulande bei rund fünf Prozent lag, fiel er etwa in Frankreich oder Österreich deutlich moderater aus. Darauf verweisen Berichte unter anderem von Merkur.de und MDR.
Auslöser der Entwicklung sind steigende Rohölpreise infolge internationaler Krisen. Da Rohöl der wichtigste Bestandteil für Kraftstoffe ist, wirken sich Veränderungen auf den Weltmärkten direkt auf die Preise an den Tankstellen aus.
Dominanz weniger Konzerne
Eine zentrale Rolle spielt laut Analysen des MDR die Struktur des deutschen Tankstellenmarktes. Dieser wird von wenigen großen Mineralölkonzernen geprägt. Die größten Anbieter betreiben einen erheblichen Teil der Tankstellen oder bestimmen über Lieferverträge maßgeblich die Preisgestaltung.
Der MDR verweist darauf, dass diese starke Konzentration auf wenige Unternehmen den Wettbewerb begrenzen kann. In solchen Märkten werden steigende Einkaufspreise häufig schneller an Verbraucher weitergegeben, während Preissenkungen langsamer folgen.
Unterschied zu Frankreich
Der Einfluss großer Mineralölkonzerne ist in Deutschland stärker ausgeprägt als in einigen Nachbarländern. In Frankreich etwa ist der Tankstellenmarkt stärker diversifiziert. Neben großen Konzernen spielen dort auch Supermarktketten und unabhängige Anbieter eine größere Rolle.
Diese breitere Anbieterstruktur sorgt für intensiveren Wettbewerb und kann dazu beitragen, dass Preisanstiege weniger stark ausfallen oder schneller wieder nach unten korrigiert werden.
Steuern nicht Ursache des aktuellen Anstiegs
Der aktuelle Preissprung ist nicht auf neue Steuern zurückzuführen. Energiesteuer, CO₂-Preis und Mehrwertsteuer sind unverändert geblieben. Die Preisbewegungen hängen daher vor allem mit dem Rohölmarkt und der Preisbildung innerhalb der Branche zusammen.
Warum die Preise in Sachsen-Anhalt häufig höher sind
Auch innerhalb Deutschlands bestehen regionale Unterschiede. In Bundesländern wie Sachsen-Anhalt liegen die Kraftstoffpreise häufig über dem Durchschnitt. Als Gründe gelten vor allem strukturelle Faktoren:
- geringere Tankstellendichte in vielen ländlichen Regionen
- damit weniger Wettbewerb zwischen Anbietern
- längere Transportwege zu einzelnen Standorten
Diese Bedingungen können dazu führen, dass Preisänderungen stärker ausfallen oder länger anhalten als in Ballungsräumen mit dichter Tankstellenkonkurrenz.
Quellen:
4 comments on “Warum Benzinpreise in Deutschland stärker steigen als in Nachbarländern – und Sachsen-Anhalt besonders teuer ist”
Wer hat recht?
hallespektrum: „Steuern nicht Ursache des aktuellen Anstiegs“
Merkur (verlinkt): „Der Grund für die unterschiedlichen Entwicklungen liegt in der jeweiligen nationalen Steuerpolitik. Länder mit niedrigeren Steuern und Abgaben reagieren auf Rohölpreisanstiege weniger stark.“
Hallespektrum. Ganz einfach: die Steuern sind fest und sind auf die Spritmenge bezogen. Der Steueranteil sinkt bei höheren Preisen.
Der Rheinische Merkur ist eine CDU-Zeitung. Da glaubt man noch an die Dummheit der Leser.
Energiesteuer ja, Mehrwertsteuer nein. Bei hohem Preisniveau durch Steuern und CO2-Abgabe schlägt die Mehrwertsteuer erbarmungslos zu.
In Krisenzeiten zeigt sich, ob Unternehmen Verantwortung gegenüber der Gesellschaft übernehmen. An den Tankstellen zeigt sich gerade, dass die Mineralölkonzerne das nicht tun. Die Bundesregierung reagiert bislang nur mit Symbolpolitik.