Halle (Saale). Angesichts der Diskussionen um die Zukunft von Reisezentren der Deutschen Bahn fordern die Grünen im Landtag Sachsen-Anhalt einen langfristigen Vorsorgeplan zur Sicherung persönlicher Fahrgastberatung. Zwar seien der Landesregierung derzeit keine konkreten Schließungspläne für die acht DB-Reisezentren im Land bekannt, dennoch dürfe sich Sachsen-Anhalt nicht erst im Ernstfall mit dem Thema befassen.
Hintergrund ist eine Kleine Anfrage im Landtag. Nach Angaben der Landesregierung gibt es aktuell Reisezentren der Deutschen Bahn in Bitterfeld, Dessau-Roßlau, Halle (Saale), Köthen, Lutherstadt Wittenberg, Magdeburg, Stendal und Wolmirstedt. Konkrete Schließungsabsichten seien derzeit nicht bekannt. Zugleich verweist die Landesregierung jedoch auf die fortschreitende Digitalisierung des Vertriebs sowie auf wirtschaftliche Herausforderungen beim Betrieb stationärer Reisezentren.
Die Fraktionsvorsitzende und mobilitätspolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion, Cornelia Lüddemann, sieht darin Anlass zum Handeln. Sie verweist auf Entwicklungen in anderen Bundesländern, insbesondere in Mecklenburg-Vorpommern, wo geplante Veränderungen im Beratungsangebot für Kritik gesorgt hatten.
„Dass für Sachsen-Anhalt derzeit keine konkreten Schließungspläne bekannt sind, ist eine gute Nachricht. Aber Sachsen-Anhalt braucht keinen Krisenmodus nach einer Entscheidung der Bahn, sondern einen Vorsorgeplan davor“, erklärte Lüddemann.
Nach Auffassung der Grünen sollte die Landesregierung gemeinsam mit der Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH (NASA), den Eisenbahnunternehmen und der Deutschen Bahn frühzeitig Konzepte entwickeln, wie persönliche Beratung an Bahnhöfen dauerhaft gesichert werden kann.
Dabei müsse die Digitalisierung den Zugang zum Bahnverkehr erleichtern, dürfe aber nicht zulasten von Menschen gehen, die auf persönliche Unterstützung angewiesen seien. Ältere Fahrgäste, Menschen mit Behinderungen oder Reisende mit komplexen Verbindungen benötigten weiterhin verlässliche Ansprechpartner vor Ort.
Als mögliche Ergänzung nennt Lüddemann sogenannte Video-Reisezentren, sofern diese gut erreichbar seien und zuverlässig betreut würden. Wo solche Angebote die Beratung in der Fläche sichern könnten, solle das Land eine Unterstützung prüfen.
Quelle: Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen Sachsen-Anhalt auf Grundlage einer Kleinen Anfrage an die Landesregierung.