Der Beauftragte des Landes Sachsen-Anhalt zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Johannes Beleites, hat die Absage des geplanten Bundeswehr-Karrierecamps auf dem Brocken ausdrücklich begrüßt. Die Entscheidung sei ein „starkes Zeichen“, dass die Bundeswehr die öffentliche Diskussion ernst nehme und bereit sei, Fehler einzugestehen, erklärte Beleites.
Der Aufarbeitungsbeauftragte hatte sich bereits im Vorfeld kritisch zu den Plänen geäußert und das Gespräch mit der Bundeswehr gesucht. Zwar erkenne er das legitime Interesse der Streitkräfte an Nachwuchsgewinnung an, doch sei der Brockengipfel aus historischen Gründen ein ungeeigneter Ort für ein solches Vorhaben.
Der höchste Berg Norddeutschlands war nach dem Bau der Berliner Mauerbau 1961 Teil des militärischen Sperrgebiets an der innerdeutschen Grenze. Sowjetische Einheiten sowie das Ministerium für Staatssicherheit nutzten den Berg für Abhöranlagen und militärische Infrastruktur. Erst während der Friedliche Revolution in der DDR eroberten sich Bürgerinnen und Bürger den Brocken zurück: Am 3. Dezember 1989 erreichten rund 6.000 Menschen in einem Sternmarsch den Gipfel und beendeten symbolisch dessen militärische Nutzung.
Gerade vor diesem Hintergrund wäre eine erneute militärische Nutzung – selbst in Form eines Werbecamps – ein problematisches Signal gewesen, so Beleites. Die Bundeswehr distanziere sich in ihrem Traditionserlass bewusst von der früheren Nationale Volksarmee. Eine Veranstaltung auf dem Brocken hätte daher den Eindruck erwecken können, in die Fußstapfen von NVA, Stasi und sowjetischen Streitkräften zu treten.
Zugleich verweist Beleites auf die besondere Bedeutung des ehemaligen Grenzstreifens als Grünes Band. Der Natur- und Erinnerungsraum entlang der früheren innerdeutschen Grenze soll künftig sowohl als UNESCO-Kultur- als auch als Naturerbe anerkannt werden. Eine militärische Nutzung – selbst zeitweise – könnte dieses international sensible Verfahren gefährden.
Das geplante Camp war Anfang des Jahres gemeinsam mit dem Landkreis Harz angekündigt worden. Mit Technikvorführungen und Fluggerät wollte die Bundeswehr Jugendliche für den Dienst gewinnen. Nach Kritik aus dem Nationalpark Harz sowie aus Teilen der Bevölkerung wurde das Vorhaben jedoch in dieser Woche abgesagt.