
Sie kamen, sahen und raubten – so das tradierte Bild von den wilden Reiterhorden, die wiederholt aus den Steppengebieten Asiens bis nach Mittel- und Westeuropa einfielen und Angst und Schrecken verbreiteten. Neuere archäologische Arbeit zeigt aber, dass die Steppennomaden nicht nur erfolgreiche Krieger waren, sondern durchaus auch die kulturelle Entwicklung Europas prägten. Die Lebensbedingungen, die sie hier vorfanden, ermöglichten Viehzucht ohne die in karger Steppenlandschaft überlebenswichtige weiträumige Wanderweidewirtschaft. Hier wurden sie schließlich sesshaft mit ihren kulturellen Bräuchen und Technologien. Vom 4. bis zum 10. Jahrhundert waren es Hunnen, Awaren und Ungarn, die nacheinander ihre reiternomadischen Reiche bis nach Mitteleuropa ausdehnten und die Geschichte weit bis ins Mittelalter prägten. Zahlreiche wertvolle Hortfunde und Grabbeigaben zeugen von hochstehenden materiellen Kulturen. Über 420 Exponate wurden für die Sonderausstellung im Landesmuseum ausgeliehen, zumeist spektakuläre Grabbeigaben und Goldschätze. Bauwerke und Siedlungsspuren sind kaum überliefert. Ebenso wenig weiß man über die Gedankenwelt der reitenden Bogenschützen. Weite Teile der Ausstellung widmen sich der Bewaffnung, der Wirtschaft und den Kulten der Reiternomaden. Einen besonderen Schwerpunkt bildet das Thema „Mensch und Pferd“.



Zum Verständnis der Exponate trägt in ausgezeichneter Weise der ansprechend gestaltete, reichhaltige, großformatige Begleitband mit zahlreichen farbigen Abbildungen bei. Ihn gibt es für EUR 35,90 im Museumsshop. In informativen Aufsätzen wird die Welt der Hunnen, der Awaren und der Ungarn anschaulich beschrieben.
Zur Sonderausstellung gibt es ein vielfältiges, umfangreiches Begleitprogramm. Aktuelle Informationen findet man im Internet unter www.reiternomaden.de. Die Ausstellung dauert vom 16.Dezember.2022 bis zum 25.Juni 2023. Man sollte sich sie nicht entgehen lassen.